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5. Januar 2001
Organisation der Volksschul-Oberstufe: Postulatsberichterstattung
Am 30. März 1999 hat Gemeinderat Roman Bischof (FDP) mit sechs Mitunterzeichnern das Postulat Organisation der Volksschul-Oberstufe eingereicht. Das Gemeindeparlament erklärte am 3. Juni 1999 den Vorstoss mit folgendem Wortlaut als erheblich:
"Der Stadtrat wird eingeladen, dem Gemeindeparlament Bericht zu erstatten und Antrag zu stellen betreffend die Schulentwicklung auf der Volksschul-Oberstufe in der Stadt Wil im Sinne der kantonalen Oberstufenreform unter Berücksichtigung der entsprechenden Rahmenbedingungen, d.h. unter Einbezug der Mädchensekundarschule St. Katharina."
Nachstehend der Bericht des Stadtrates
1. Das kantonale Oberstufenkonzept
Die Volksschuloberstufe im Kanton St. Gallen umfasst das 7. – 9. Schuljahr. Sie gliedert sich in die Regelklassen der Realschule und der Sekundarschule sowie die Kleinklassen der Realschule. Der Volksschuloberstufe kann das freiwillige 10. Schuljahr angefügt werden. Die Klassen werden vom Grundsatz her koeduziert mit Knaben und Mädchen geführt. Seedukative, d. h. geschlechtergetrennte Unterrichtsphasen sind möglich.
Bereits 1973 hat der Erziehungsrat des Kantons St. Gallen ein Reform-Konzept für die st. gallische Oberstufe mit empfehlendem Charakter erlassen. Es beinhaltet im Wesentlichen folgende Richtlinien und Thesen:
- Die Volksschuloberstufe soll im Sinne der additiven Gesamtschule geführt werden. Konkret bedeutet dies, dass die Real- und Sekundarklassen räumlich in Oberstufenzentren zusammengefasst werden.
- Es wird empfohlen, auch die Kleinklassen der Realschule in diesen Verband aufzunehmen.
- Im pädagogischen Bereich bleiben die drei Schultypen selbstständig. Eine Kooperation ist jedoch anzustreben.
- Oberstufenzentren sollen dort gebaut werden, wo ohnehin neuer Schulraum geschaffen werden muss.
- Sowohl innerhalb der Real- als auch der Sekundarklassen ist eine Differenzierung nach Leistung und Neigung anzustreben.
Die wesentlichen Vorteile von Oberstufenschulen gegenüber der isolierten Führung von Real-, Sekundar- und Kleinklassen der Realschule lassen sich wie folgt zusammenfassen:
- Ausgewogenes Verhältnis von Knaben und Mädchen sowie Real-, Sekundar- und Kleinklassen der Realschule.
- Abbau der Diskriminierung von schwächeren Schülerinnen und Schülern und der daraus entstehenden Probleme.
- Rationelle Ausnützung der Räumlichkeiten und Einrichtungen.
- Breiteres Angebot an Wahlfächern.
- Gemeinsame Veranstaltungen von Real-, Sekundar- und Kleinklassen der Realschule.
- Zusammenarbeit zwischen den Lehrkräften der verschiedenen Schultypen.
- Vernünftige Spezialisierung im Einsatz der Oberstufenlehrkräfte.
2. Entwicklung der Oberstufe in Wil
Bis 1994 bestanden in Wil die koeduzierte Sekundarschule Sonnenhof und die Mädchensekundarschule St. Katharina. Die Realklassen und die Kleinklassen der Realschule waren auf fünf verschiedene Primarschulhäuser aufgeteilt. Dies änderte sich 1994 mit dem Bezug der neu gebauten Oberstufe Lindenhof. Dem Sonnenhof wurden neu Real- und Sekundarklassen zugeteilt, ebenso der Oberstufe Lindenhof. Dort fand zusätzlich das Werkjahr als Kleinklasse der Realschule Aufnahme, während zwei weitere Kleinklassen der Realschule im Mattschulhaus verblieben.
Ebenso wurde auch nach dem Bezug der Oberstufe Lindenhof die Mädchensekundarschule St. Katharina im bisherigen Rahmen weitergeführt. Diese Schule besteht in Wil seit 1845. Es handelt sich um eine Privatschule unter der Trägerschaft des Klosters. Seit Generationen besuchen viele Mädchen aus Wil und der näheren und weiteren Umgebung diese Schule. Für die Wiler Mädchen übernimmt die Stadt Wil das erforderliche Schulgeld. 1982 wurde der Schulbesuch durch Wiler Schülerinnen erstmals vertraglich geregelt. 1991 lehnten die Wiler Stimmbürgerinnen und Stimmbürger die sogenannte Koedukations-Initiative, welche konkret darauf abzielte, das zukünftig Schulgeldzahlungen an die Privatschule St. Katharina nur bei Einführung der Koedukation an dieser Schule erfolgen dürfen, mit grossem Mehr ab. Im Frühjahr 1997 erfolgte eine Revision des Schulvertrages. Bei der Behandlung im Gemeindeparlament wurden sowohl die Koedukationsfrage als auch die Frage der Führung separater Mädchenrealklassen im Institut St. Katharina nochmals eingehend diskutiert, Veränderungen gegenüber der bestehenden Lösung jedoch abgelehnt. Der revidierte Schulvertrag wiederum unterstand dem fakultativen Referendum, welches nicht ergriffen wurde.
Die Wiler Oberstufenschulen werden auch von Schülerinnen und Schülern aus der Umgebung besucht. Seit 1995 sind es noch die Real- und Sekundarschülerinnen und –schüler aus Rossrüti, die Sekundarschülerinnen und –schüler aus Bronschhofen sowie ein Teil der Oberstufenschülerinnen und –schüler aus Zuzwil, vorwiegend aus Züberwangen. Bronschhofen führt zur Zeit noch eine eigene Realschule. Auf Grund gesetzlicher Bestimmungen ist dies jedoch nur noch bis Sommer 2001 möglich. Im Institut St. Katharina werden auch Privatschülerinnen aus der weiteren Region unterrichtet. Das Gleiche gilt für den Besuch der Kleinklassen der Realschule in Wil.
3. Heutige Situation
Im laufenden Schuljahr 1999/2000 zeigt die Oberstufe der Stadt Wil folgendes Bild:
In der Oberstufe Sonnenhof werden 10 Schulklassen unterrichtet, nämlich 4 Real- und 6 Sekundarklassen. Bei den 185 Schülerinnen und Schülern handelt es sich um 127 Knaben (68,6%) und 58 Mädchen. Je eine 1. Und 3. Sekundarklasse werden als Knabenklassen geführt. Der Anteil fremdsprachiger Kinder beläuft sich auf 16 %.
Die Oberstufe Lindenhof zählt 13 Schulklassen, nämlich 6 Real- und 5 Sekundarklassen sowie ein Werkjahr (9. Kleinklasse B) und eine Eingliederungsklasse für fremdsprachige Kinder. Bei den 264 Schülerinnen und Schülern handelt es sich um 180 Knaben (68,2%) und 84 Mädchen. Je eine 1. Und 3. Sekundarklasse werden als Knabenklassen geführt. Der Anteil fremdsprachiger Kinder beläuft sich auf 37 %.
Die Mädchensekundarschule St. Katharina führt 9 Sekundarklassen und zählt insgesamt 217 Schülerinnen. Davon stammen 123 aus Wil. Der Anteil an fremdsprachigen Schülerinnen beträgt 10%.
In den vergangenen Monaten sind auch in Bronschhofen und Rossrüti die Entscheide betreffend die Bildung einer eigenen, gemeinsamen Oberstufe gefallen. Während die Schulbürgerinnen und Schulbürger von Bronschhofen bereits Mitte November 1999 dem Anliegen mit grossem Mehr zustimmten, wurde das Geschäft an der gleichzeitig stattfindenden Schulbürgerversammlung in Rossrüti an die Urne verwiesen. Am 06. Februar 2000 lehnten die Rossrüter Schulbürgerinnen und Schulbürger eine gemeinsame Oberstufe mit Bronschhofen mit grossem Mehr ab. Beide Schulgemeinden allein sind zu klein, um eine eigene Oberstufe zu führen, so dass nun ein Vertragsabschluss mit Wil im Vordergrund steht. Ein Vertragsentwurf ist bereits im Vorfeld der Abstimmungen in Bronschhofen und Rossrüti erstellt worden. Er wird zur Zeit bereinigt. Eine vertragliche Regelung bedingt in Wil eine Vorlage an das Gemeindeparlament und dessen Zustimmung. Anschliessend untersteht ein zustimmender Beschluss dem fakultativen Referendum. Auch in den Schulgemeinden Bronschhofen und Rossrüti muss der Schulvertrag dem fakultativen Referendum unterstellt werden.
Wenn zukünftig die Realschülerinnen und Realschüler aus Bronschhofen auch noch in Wil beschult werden, steigt die Zahl der Realklassen in unserer Stadt von derzeit 10 auf 12 an. Entsprechender Schulraum ist vorhanden.
Umgekehrt würde der bereits vorhandene Schulraum an den Oberstufen Sonnenhof und Lindenhof für die Beschulung aller Wiler Oberstufenschülerinnen und –schüler ausreichen. Die auswärtigen Schülerinnen und Schüler könnten dann die Schule in Wil nicht mehr besuchen und die Stadt Wil wäre auf die Räumlichkeiten der Mädchensekundarschule St. Katharina nicht mehr angewiesen.
In den vergangenen zwei Jahren sind an den öffentlichen Oberstufenschulen unserer Stadt vermehrt Disziplinarprobleme, vor allem Gewaltprobleme aufgetreten. Am deutlichsten zu Tage getreten sind sie an der Oberstufe Lindenhof mit ihrem hohen Anteil an Realklassen und ausländischen Jugendlichen. Aber auch die Oberstufe Sonnenhof blieb von diesem Problem nicht verschont. Die Delinquenten waren fast immer Knaben. Im Rahmen dieser Diskussionen wurde immer wieder das Argument ins Feld geführt, dass durch die Existenz der Mädchensekundarschule St. Katharina in Wil eine ungleiche Verteilung einerseits von Knaben und Mädchen und andererseits von Sekundar- und Realschülerinnen und –schülern bestehe, was die Probleme an den öffentlichen Oberstufenschulen massiv verschärfe.
Die zu Beginn dieses Kapitels genannten Zahlen zeigen, dass weder die Oberstufe Sonnenhof noch die Oberstufe Lindenhof je etwa zu 50 % von Knaben und Mädchen besucht werden und auch die Dotierung mit Real- und Sekundarklassen nicht im Verhältnis 1/3 zu 2/3 steht. Sowohl der Anteil an Knaben als auch der Anteil an Realklassen liegt an beiden Schulen wesentlich höher. Die Oberstufensituation Wil entspricht somit nicht dem kantonalen Konzept. Ursache ist die Existenz der separaten Mädchensekundarschule St. Katharina. Offen bleibt die Frage, wie weit die aufgezeigten Probleme durch Erfüllung der kantonalen Vorgaben tatsächlich gemindert oder gar gelöst werden können. Mindestens aber hätten dann alle Oberstufenschulen gleiche Voraussetzungen.
4. Änderungsmöglichkeiten und ihre Auswirkungen
Zur Entschärfung der Situation hat der Schulrat im Frühjahr 1999 entschieden, auf Beginn des Schuljahres 1999/2000 eine 1. Realklasse vom Lindenhof in den Sonnenhof zu verlegen und im Gegenzug eine 1. Sekundarklasse vom Sonnenhof in den Lindenhof, um einen gewissen Ausgleich zu schaffen. Dieses Vorhaben ist sowohl bei den Lehrkräften der Oberstufe Sonnenhof als auch bei den betroffenen Eltern auf erbitterten Widerstand gestossen. Der Schulrat musste feststellen, das bezüglich dieser Probleme in Wil schlicht keine Solidarität besteht. Als Kompromiss wurde dann die vorgesehene zusätzliche Realklasse im Sonnenhof wohl geführt, aber keine Sekundarklasse in den Lindenhof verlegt, was eine Überbelegung der Oberstufe Sonnenhof mit 10 anstatt 9 Schulklassen zur Folge hatte.
Im Zusammenhang mit den Diskussionen um die Oberstufensituation in Wil und um einen Beitrag zur Problemlösung zu leisten, offerierte das Kloster St. Katharina im Frühjahr 1999 die Führung einer Knabenrealklasse an seiner Schule durch die Stadt Wil ab Sommer 1999. Schulrat und Lehrerschaft begrüssten grundsätzlich diese Öffnung der Mädchenschule, kamen jedoch zum Schluss, dass die ganze Angelegenheit vor der Umsetzung konzeptionell und im Hinblick auf verschiedene Detailfragen genau geprüft werden muss, was auf Sommer 1999 nicht mehr möglich war.
Zur Behandlung des ganzen Problemkreises bezüglich der Oberstufensituation in Wil hat der Schulrat eine Arbeitsgruppe eingesetzt, der je eine Vertretung der Oberstufenschulen Sonnenhof, Lindenhof, St. Katharina sowie des Klosters und des Schulrates angehörten. Dabei standen folgende zwei Modelle im Vordergrund der Diskussionen:
Vereinheitlichung der drei Oberstufenschulen Sonnenhof, Lindenhof und St. Katharina nach den Richtlinien des kantonalen Oberstufen-Konzeptes
Grundsätzlich würde das bedeuten, dass alle drei Schulen koeduziert mit je etwa 50 % Knaben und Mädchen sowie 1/3 Real- und 2/3 Sekundarklassen geführt werden. Ebenso würden die Kleinklassen der Realschule wie auch die fremdsprachigen Schülerinnen und Schüler auf die drei Oberstufenschulen aufgeteilt. Im Rahmen der geleiteten, teilautonomen Schulen stünde es den einzelnen Schulhausteams frei, an ihren Schulen eigene Ideen wie seeduzierte Fächer oder Klassen, Musikklassen usw. zu verwirklichen, soweit diese den Vorgaben des Kantons entsprechen. Mit diesem Konzept könnte auch eine bessere Verteilung der zeitintensiven und schwierigen Arbeit mit leistungsmässig schwächeren sowie mit schwierigen Schülerinnen und Schülern auf die einzelnen Schulhausteams erreicht werden. Ebenso würde durch die bessere Verteilung der fremdsprachigen Schülerinnen und Schüler auf die drei Oberstufenschulen die Umsetzung von Integrations-Konzepten erleichtert.
Führung einer Mädchenoberstufe, einer Knabenoberstufe und einer gemischten Oberstufe
Bei diesem Modell könnte die Mädchensekundarschule St. Katharina in ihrer heutigen Struktur weitgehend erhalten bleiben. Neu hinzu kämen an dieser Schule Mädchenrealklassen. Aus Gründen der Schulgrössen müsste die Knabenoberstufe voraussichtlich im Sonnenhof und die gemischte Oberstufe im Lindenhof geführt werden. Für alle Schülerinnen und Schüler bestünde in beschränktem Rahmen eine freie Schulwahl. Auch bei diesem Konzept könnten die einzelnen Schulen ihr eigenes Schulprofil, zugeschnitten auf nur Knaben, nur Mädchen oder gemeinsame Erziehung und Bildung von Knaben und Mädchen schaffen und weiter entwickeln. Offen bleibt bei diesem Modell die Frage, ob Angebot und Nachfrage je übereinstimmen würden.
In der Diskussion nicht mehr weiter verfolgt wurden folgende Szenarien:
- Führung einer Knabenrealklasse im Institut St. Katharina. Dies würde einer punktuellen Notlösung gleichkommen, welcher die konzeptionelle Grundlage fehlt. Ebenso wäre sie mit finanziellen Mehraufwendungen verbunden (Miete Schulraum usw.).
- Führung von Mädchenrealklassen im Institut St. Katharina bei weiterhin koeduzierten Oberstufen Sonnenhof und Lindenhof. Dies würde die bestehenden Probleme noch verschärfen, weil im Gegenzug auch Knabenrealklassen mit hohem Anteil an fremdsprachigen, leistungsschwächeren und verhaltensauffälligen Schülern gebildet werden müssten.
- Führung einer separaten Realschule für Knaben und Mädchen in Wil. Diese Lösung besteht andernorts noch heute (z.B. in Uzwil, Jona und teilweise in der Stadt St. Gallen). Sie ist an diesen Orten historisch, organisatorisch oder schulraumbedingt. Diese Lösung für Wil würde gegenüber der heutigen Situation und gegenüber dem kantonalen Oberstufen-Konzept einen Rückschritt bedeuten.
Der schulrätlichen Arbeitsgruppe einen Strich durch die Rechnung gemacht hat das Kloster St. Katharina an seiner gemeinsamen Medienorientierung mit der katholischen Pfarr- und Kirchgemeinde Wil vom 3. Mai 2000. Als Vertragspartner der Stadt Wil gab das Kloster bekannt, dass es die Mädchensekundarschule St. Katharina in ihrer heutigen Form weiterführen will. Die bisherige Trägerschaft durch die Schwesterngemeinschaft St. Katharina soll weiterbestehen und durch ein zusätzliches Engagement von Pfarr- und Kirchgemeinde Wil unterstützt werden.
Noch am Freitag zuvor, am 28. April 2000, haben die Vertretung des Klosters und die Schulleitung St. Katharina in der schulrätlichen Arbeitsgruppe die eingangs zu diesem Kapitel aufgezeigten zwei Modelle diskutiert und kein Wort über die neue Entwicklung im Kloster verlauten lassen.
Für die verantwortlichen Organe der Stadt Wil stellt sich nun die Frage, ob man auf Grund der aktuellen Entwicklung auf der Oberstufe der Stadt Wil in den vergangenen zwei Jahren (starke Zunahme der fremdsprachigen Schülerinnen und Schüler, akute Disziplinar- und Gewaltprobleme, vermehrt leistungsschwächere und verhaltensauffällige Schülerinnen und Schüler usw.) beim Status quo bleiben soll oder ob der Schulvertrag mit dem Kloster St. Katharina zu kündigen sei, damit sich die Möglichkeit zu einer tatsächlichen Veränderung auf unserer Oberstufe öffnet. Der Schulvertrag mit dem Kloster St. Katharina ist jeweils auf Ende Schuljahr fünf Jahre im Voraus kündbar. Das Kloster kann die Schulräumlichkeiten anschliessend der Stadt Wil mietweise zur Verfügung stellen. Es ist dazu aber gemäss Vertrag nicht verpflichtet. Falls die Stadt Wil neue Schulräume selber bereit stellen muss, ist mit Ersatzinvestitionen in der Grös-senordnung von 12 Mio. Franken zu rechnen. Dies könnte vermieden werden, wenn die auswärtigen Oberstufenschülerinnen und –schüler nicht mehr in Wil beschult werden. Wie bereits erwähnt, haben die Wiler Schülerinnen und Schüler in den Oberstufen Sonnenhof und Lindenhof – auch ohne Beanspruchung der Schulräume der Mädchensekundarschule St. Katharina - genügend Platz und Schulverträge mit den Aussengemeinden bestehen zur Zeit noch nicht. Allerdings wurde den Schulgemeinden Bronschhofen und Rossrüti bis anhin – unter Vorbehalt der Zustimmung der zuständigen Organe zum Schulvertrag – zugesichert, dass ihre Oberstufenschülerinnen und –schüler die Schulen in Wil besuchen können.
Die Auflösung des Schulvertrages mit dem Kloster St. Katharina bedingt eine Vorlage des Stadtrates an das Gemeindeparlament. Falls das Gemeindeparlament der Auflösung zustimmt, untersteht der Beschluss dem fakultativen Referendum. Wird dieses ergriffen, entscheidet die Bürgerschaft definitiv an der Urne. Die entsprechende Vorlage an das Gemeindeparlament kann auch über eine Motion verlangt werden.
In der schulrätlichen Arbeitsgruppe verlangten die Vertretungen der öffentlichen Oberstufenschulen Sonnenhof und Lindenhof unmissverständlich die Vereinheitlichung der drei Oberstufenschulen Sonnenhof, Lindenhof und St. Katharina nach den Richtlinien des kantonalen Oberstufenkonzeptes. Demgegenüber beruft sich das Kloster St. Katharina auf den erst 1997 erneuerten Schulvertrag mit der Stadt Wil und will die Mädchensekundarschule in ihrer heutigen Form und im Rahmen der bisherigen Trägerschaft, unterstützt durch ein zusätzliches Engagement von Pfarr- und Kirchgemeinde Wil, weiterführen. Es macht geltend, dass die Mädchensekundarschule einem ausgewiesenen Bedürfnis entspreche und einen starken Rückhalt in breiten Bevölkerungskreisen erfahren dürfe.
5. Wertung durch Schul- und Stadtrat sowie weiteres Vorgehen
Aufgrund der geschilderten aktuellen Entwicklung auf der Oberstufe der Stadt Wil in den vergangenen zwei Jahren (starke Zunahme der fremdsprachigen Schülerinnen und Schüler, akute Disziplinar- und Gewaltprobleme, vermehrt leistungsschwächere und verhaltensauffällige Schülerinnen und Schüler) darf es in der Beurteilung von Schul- und Stadtrat aus schul- und sozialpolitischen Gründen keinesfalls beim Status quo bleiben.
Schul- und Stadtrat werden deshalb in einer breit abgestützten Fachkommission nochmals das Gespräch mit dem Kloster sowie mit der Pfarr- und Kirchgemeinde Wil suchen und auf eine einvernehmliche Lösung hinwirken. Es soll vermieden werden, dass nur noch eine Vertragsauflösung und damit verbunden fast mit Sicherheit eine weitere Volksabstimmung nötig werden. In einem Schreiben vom 13. Juni 2000 an den Stadtrat und in einer nachfolgenden Medienmitteilung signalisiert auch das Kloster weitere Verhandlungsbereitschaft. Es hat einen Klosterbeirat mit Vertretungen des Klosters, der Schulkommission St. Katharina und der Katholischen Kirchgemeinde Wil geschaffen, welcher Ansprechpartner für die Stadt Wil wird. Im Weiteren halten Schul- und Stadtrat dafür, einen allfälligen Vertragsabschluss mit Bronschhofen und Rossrüti erst zu tätigen, wenn die Oberstufensituation in Wil geklärt ist. Der Zeitpunkt auf Sommer 2001 ist damit in Frage gestellt.
6. Antrag
Herr Präsident
Sehr geehrte Damen und Herren
Der Stadtrat unterbreitet Ihnen folgenden Antrag:
Es sei vom vorliegenden Bericht Kenntnis zu nehmen und das Postulat Organisation der Volksschul-Oberstufe als erledigt abzuschreiben.
Stadt Wil
Josef Hartmann, Stadtammann
Armin Blöchlinger, Stadtschreiber