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22. November 2006
Oberstufenkonzept: Mehr als nur eine Lösung der Oberstufenfrage
Im Jahre 1999 wurden Stadt- und Schulrat vom Parlament beauftragt, im Bereich Oberstufe Verbesserungen zu erarbeiten, dies namentlich unter Einbezug der Mädchensekundarschule St. Katharina. Heute – nach Durchführung einer breit abgestützten Vernehmlassung – haben Stadt- und Schulrat vor den Medien eine Lösung präsentiert, die nicht nur die Oberstufe, sondern auch die Situation der Wiler Primarschulkinder sowie das künftige Verhältnis der Stadt Wil zu Privatschulen und zur Nachbargemeinde Bronschhofen berücksichtigt.
Sonnenhof wird zur «Primarschule Nord»
Im Sommer 2003 eröffnete Bronschhofen eine neue Oberstufenschule mit Platz für 9 Klassen. Damit hat sich das Verhältnis der Anzahl Oberstufen und der Anzahl Primarschulen erheblich verändert: Insgesamt ist erstmals ein Überbestand an Oberstufenschulräumen zu verzeichnen, während im Gegenzug auf der Primarstufe seit langem ein Raummangel im Norden der Stadt besteht. Im Finanzplan der Stadt Wil sind wegen diesem Raummangel seit längerem die Kosten für den Bau einer Primarschule Nord ausgewiesen. Die Idee, in Wil als Folge des Bronschhofer Baus künftig nur noch zwei statt bisher drei Oberstufen zu führen, mit anderen Worten, die jetzige Oberstufe Sonnenhof dank ihrer nördlichen Lage als Primarschule umzunutzen, wertete der Schulrat als eine naheliegende und realistische Chance zur Optimierung der gesamtstädtischen Schulraumdisposition. Diese Idee, bildet auch die Grundlage der nun vorliegenden konzeptionellen Lösung, welche vom Stadtrat mitgetragen wird und den finanzpolitisch interessanten Verzicht auf den Neubau einer Primarschule Nord thematisiert.
Klosterwegschulhaus wird Oberstufenschule und dem St. Katharina angegliedert
Ab voraussichtlich Sommer 2010 soll nicht nur der Sonnenhof zur Primarschule umgenutzt werden. Zugleich wird eine heutige Primarschule (Klosterweg), dies gemäss ihrer ursprünglichen baulichen Konzeption, wieder zu einer Oberstufe. Die Oberstufe Klosterweg wird sodann dem St. Katharina angegliedert.
Die Oberstufen entscheiden selbst über die Klassenzusammensetzung
Die Oberstufe St. Katharina führt im Endausbau insgesamt jeweils 10 Klassen (Knaben und Mädchen, Sek und Real). Der Lindenhof führt 13 Klassen (Knaben und Mädchen, Sek und Real) und wie bisher zusätzlich 3 Kleinklassen, damit wie bisher insgesamt 16 Klassen. Die Oberstufe St. Katharina entscheidet selbst, ob sie die vom Schulrat zugewiesenen Knaben in 5 Knabenklassen im Klosterwegschulhaus und die zugewiesenen Mädchen in 5 Mädchenklassen im Institutsgebäude unterrichtet, oder ob sie eine andere, nämlich eine gemischte oder eine teilweise gemischte Lösung wählt. Der Lindenhof seinerseits kann dank dem erstmals angemessenen Anteil an Mädchen sowie an Sek- und Realklassen die seit langem gewünschte phasenweise Geschlechtertrennung in bestimmten Fächern (Teilseedukation) praktizieren, was bisher nicht möglich war.
Auch die Primarschulkinder profitieren
Im Norden wohnhafte Primarschulkinder, welche heute das Klosterwegschulhaus besuchen, können künftig im Sonnenhof unterrichtet werden. Aus dieser Lösung resultieren nicht nur bessere Raumverhältnisse auf der Oberstufe, sondern auch auf der Primarstufe. Denn die
«überdotierte» Oberstufe muss insgesamt mit dem Sonnenhof etwas mehr Räume an die Primarstufe abgeben, als sie im Gegenzug im Klosterwegschulhaus erhält. Ein erheblicher Gewinn gegenüber heute ist im Bereiche der Schulwegsicherheit für die Primarschulkinder zu verzeichnen. Denn die nördlichst gelegene aller städtischen Primarschulen findet sich jetzt «an einem geeigneteren Ort» als vorher: Sie ist sicherer erreichbar für ihre Schüler/-innen aus den nördlich gelegenen Wohnquartieren.
Lindenhof und Kathi als teilautonome Schulen mit eigenem Profil
Stadt- und Schulrat stellen mit der präsentierten Lösung auch einen entsprechend angepassten Vertragsentwurf vor. Gemäss diesem Entwurf wird die Oberstufe St. Katharina nach den kantonalen Bestimmungen geführt. Der Schulleitung und gegebenenfalls der Schulkommission
St. Katharina obliegen sämtliche Führungsaufgaben mit Ausnahme jener Funktionen, welche durch Gesetz oder Verordnung dem Schulrat zugewiesen sind. Diese Regelung nimmt Bezug darauf, dass die Schule St. Katharina den vollen Auftrag wie jede andere öffentliche Schule erfüllt, und dass dabei dem Schulrat die strategische Führung obliegt. Das St. Katharina muss deswegen nicht auf die private Trägerschaft verzichten. Auch mischt sich der Schulrat nicht in das operative Alltagsgeschäft ein, sondern er anerkennt und fördert die Teilautonomie des Lindenhofs wie des St. Katharina, so weit dies die kantonalen Vorgaben zulassen.
Aufnahme Auswärtiger weiterhin möglich
Beide Schulen sind berechtigt, zusätzlich zu den zugewiesenen Wiler Lernenden auch Lernende mit Wohnsitz ausserhalb der Stadt Wil aufzunehmen, soweit es die verbleibenden räumlichen Verhältnisse erlauben. Die Zuteilung der Wiler Schüler/-innen und deren Zuteilungswünsche haben jedoch Vorrang.
Verhältnis zu anderen Privatschulen definiert
Im Konzept wird auch das Verhältnis «Stadt Wil / Privatschulen» neu definiert: Alle Eltern mit Wohnsitz in Wil, deren Kinder eine Privatschule in der Stadt Wil besuchen, sollen ab Schuljahr 2007/08 einen Kostenbeitrag von jährlich insgesamt Fr. 1'500.- je Kind ausbezahlt (1.- 9. Schuljahr) erhalten, sofern das gewählte Privatschulangebot die im Integrationsleitbild formulierten Ziele nicht verletzt. Bisher wurden jährlich Fr. 500.- bezahlt.
Zukunftsgerichtete regionale Zusammenarbeit
Gemäss dem Konzept ist längerfristig eine regionale Zusammenarbeit anzustreben, wonach Lernende mit Wohnsitz in Wil und Bronschhofen grundsätzlich die selben Schulen der Region besuchen können (Lindenhof, St. Katharina, Oberstufe Bronschhofen). Die Zuteilung erfolgt durch den Schulrat am Wohnsitz nach Rücksprache mit den Schulleitungen. Die Zuteilungswünsche werden bestmöglich berücksichtigt.
Problemstellung als Chance gewertet
Trotz erheblicher Meinungsvielfalt zum Thema bedeutete der anstehende Auftrag und insbesondere die mit dem Bronschhofer Bau entstandene neue Ausgangslage für den Schulrat nicht nur ein Problem, sondern auch eine positive Herausforderung, um eine Jahrzehnte währende Auseinandersetzung aus neuer Perspektive zu betrachten und zu beurteilen. Die neue Ausgangslage wurde vom Rat als Chance gewertet, um im Gleichschritt mit der Oberstufenfrage durch eine stufenübergreifende vernetzte Betrachtung zusätzliche, ebenfalls seit längerem anstehende Fragestellungen auf städtischer Ebene konstruktiv zu lösen. Er hat dabei auf Grund objektiver Kriterien eine Wertung zu Lasten einer eigenen Schule, dem Sonnenhof, vorgenommen, um übergeordnete Anliegen auf gesamtstädtischer Ebene zu realisieren.
Bedürfnisgerecht und hoffentlich mehrheitsfähig
Stadt- und Schulrat sind überzeugt, mit dem nun fertig gestellten Konzept eine Lösung vorzulegen, welche die Schule primär in den Dienst der Lernenden stellt, nicht umgekehrt. Denn es profitieren die Primarschulkinder sowie beide Geschlechter der Real- und der Sekundarklassen gleichermassen. Hinzu kommt, dass der vorgeschlagene Lösungsweg die gewichtigsten in der Vernehmlassung erhobenen Forderungen und Bedürfnisse allesamt berücksichtigt. Stadt- und Schulrat gehen davon aus, dass der Klosterbeirat im Rahmen der bevorstehenden Verhandlungen die erwähnten Vorzüge ebenfalls als wertvoll anerkennt, damit dem Parlament das vorliegende Konzept als eine für die öffentlichen Schulen sowie für das Kathi zukunftsgerichtete Lösung vorgelegt werden kann.