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6. Februar 2007
Jahresbericht 2006 der Wiler Integrations- und Präventionsprojekte wipp
wipp: weiterhin hohe Auslastung
Neben dem Kerngeschäft der Beratung und Betreuung von suchtmittelabhängigen Menschen, wurden im Berichtsjahr einige betriebliche Abläufe optimiert und qualitative Verbesserungen in den verschiedenen Projekten umgesetzt. So wurde der Ablauf der Essensabgabe im Kaktus neu gestaltet, ein Computerarbeitsplatz für die BewohnerInnen des Betreuten Wohnens geschaffen, ein neues Konzept für den "Kaktus" und die Soziale Wohnbegleitung erstellt, und sämtliche freiwillige Finanzverwaltungen auf eine neue EDV-Lösung umgestellt.
Allgemeine Situation
Die Nachfrage nach den Dienstleistungen der Wiler Integrations- und Präventionsprojekte wipp war auch im Jahr 2006 sehr hoch. Dies unterstreicht unter anderem der starke Besucheranstieg im Kaktus um über 20 %. wipp steht mit rund 90 Personen in Kontakt.
Viele unserer KlientenInnen haben neben der Suchterkrankung zusätzliche Problemstellungen im somatischen und psychischen Bereich. Dank der geleisteten Beziehungsarbeit hat sich der psychosoziale Zustand vieler Betroffener im letzten Jahr auf relativ hohem Niveau stabilisiert. Wiederum gelang es einigen Personen, ganz aus der Sucht auszusteigen und andere schafften es zumindest, ihren Konsum besser zu kontrollieren.
Wir waren im letzten Jahr stärker mit den Themen Alkohol und Arbeitsintegration konfrontiert. Erfreulicherweise mussten wir uns dafür weniger mit dem Thema Gewalt auseinandersetzen. Weiterhin übernimmt wipp eine beträchtliche Anzahl freiwilliger Finanzverwaltungen ihrer Klienten.
Kontakt- und Anlaufstelle "Kaktus"
Der „Kaktus“ war wie in den Vorjahren der zentrale Dreh- und Angelpunkt unserer Arbeit. Die Besucherzahl lag bei 6'760 Personen, was eine starke Zunahme von über 20 % bedeutet. Da-bei schwanken die täglichen Eintrittszahlen zwischen 10 und 35 Personen. Der Tagesdurch-schnitt liegt neu bei 18.47 Personen pro Tag.
Die Abgabe von sauberem Injektionsmaterial nahm im vergangenen Jahr trotz der höheren Besucherzahlen um 13% ab. Wurden 2005 20’162 Spritzen abgegeben, betrug diese Zahl im letzten Jahr 17'603. Dies entspricht einem Tagesdurchschnitt von 48. Nach wie vor versorgten sich Suchtmittelabhängige unserer Region vor allem über unsere Stelle mit sauberem Injekti-onsmaterial. Unser Ziel, die HIV/Aids- und Hepatitis-Prävention im Bereich der intravenös Drogenkonsumierenden in unserer Region effizient umzusetzen, konnte wiederum erreicht wer-den.
Die Eintrittskontrolle wurde wiederum sehr zuverlässig und kompetent umgesetzt. Auch die Besucherzahl aus den Regionsgemeinden nahm im letzten Jahr auf 1'161 zu. Dies unterstreicht, wie sinnvoll die regionale Zusammenarbeit auch für die Aussengemeinden ist. Diese beteiligen sich ja auch massgeblich an den Kosten des "Kaktus". Die Zusammenarbeit mit den Regions-gemeinden verlief sehr konstruktiv.
Das Nachtessen wurde auch 2006 wochentags von unseren KlientInnen zubereitet. Die Anzahl abgegebener Mahlzeiten (durchschnittlich 11 Essen pro Abend) nahm im vergangenen Jahr weiter zu und erforderte eine Neugestaltung der Essensabgabe. Diese Umstellung beruhigte den Betrieb während der Essenszeiten stark. Weiter waren kleinere Anpassungen im Reini-gungsablauf notwendig, welche ebenfalls erfolgreich umgesetzt wurden.
Ein Konzept für den "Kaktus" wurde neu erstellt und half mit, dass trotz des starken Besucher-anstieges der Betrieb des Kaktus weitgehend problemlos verlief. Allerdings muss die zukünftige Entwicklung der Besucherzahl genau im Auge behalten werden, denn der aktuelle Betreuungsschlüssel hat zweifellos die Belastungsgrenze erreicht.
Betreutes Wohnen
Das im Jahr 2005 erstellte neue Konzept hat sich bewährt und der Betrieb verlief auch im letz-ten Jahr grösstenteils ohne Probleme. Die Kapazitätsgrenze im ersten Halbjahr wurde trotz des erfolgten Anbaus wieder überschritten und so musste zwischenzeitlich die Stube wieder als Wohnraum genutzt werden. Dank intensiver Bemühungen gelang es aber im Sommer 2006, zwei langjährige Bewohner im freien Wohnungsmarkt unterzubringen und die Überbelegung zu stoppen.
Neu haben wir das Notbett in die Belegungsstatistik integriert und rechnen mit einer maxima-len Auslastung von 240 Übernachtungen pro Monat. Die Auslastung (inkl. Notbetten) betrug bis Juli 2006 immer zwischen 87 % und 100 % , ab August pendelte sich diese zwischen 76 % und 95 % ein. Zu den fest vermieteten Zimmern kamen 207 Übernachtungen (2005: 36) in den Notbetten hinzu.
Auch im vergangenen Jahr waren Renovationsarbeiten notwendig. So wurde die Fassade des Altbaus neu gemalt und ein Lichtschacht eingebaut. Ebenfalls wurde ein Computerarbeitsplatz für die Bewohner geschaffen, welcher seither rege benutzt wird.
Für die Soziale Wohnbegleitung wurde ein neues Konzept erstellt.
Taglohn
Das Departement Soziales, Jugend und Alter begann im Berichtsjahr mit der Gesamtanalyse des ergänzenden Arbeitsmarkts, welche auch ein wichtiges Legislaturziel des Stadtrates darstellt, und setzte eine Arbeitsgruppe "Arbeitsintegration" ein. Die Neuausrichtung des Projektes Tag-lohn ist Bestandteil dieser umfassenden Reorganisation. Entsprechend wurde seitens wipp dar-auf verzichtet, im letzten Jahr konzeptuelle Anpassungen vorzunehmen.
Die Gassenküche innerhalb der Kontakt- und Anlaufstelle "Kaktus" sowie alle internen Re-novations- und Hilfsarbeiten wurden wie in den Vorjahren durch das Projekt Taglohn über-nommen. Die Anzahl vermittelter Stunden von externen Aufträgen nahm um 18 % auf 518 ab. Die 2006 total vermittelten 1'852 Stunden liegen leicht unter dem langjährigen Durchschnitt, die hohe Eigenwirtschaftlichkeit konnte aber auch im vergangenen Jahr wieder erreicht wer-den.
Nach wie vor hat das Projekt Taglohn im Bereich der Integration einen sehr hohen Stellenwert nach innen und aussen, ist eng mit wipp verknüpft und erledigt z.B. einen wichtigen Anteil anfallender interner Hauswartarbeiten, die nur mit einem erheblichen finanziellen Mehrauf-wand fremd vergeben werden könnten.
Soziokulturelle Anlässe
Die Fortführung des Ernährungsprojektes war im vergangenen Jahr die wichtigste unserer so-ziokulturellen Aktivitäten. Wie immer wurde aber auch die bereits traditionelle Weihnachtsak-tion sehr geschätzt. Der "Kaktus" war über die Festtage wiederum gut besucht und die speziel-len Gourmetessen fanden grossen Anklang.
Es gelang uns, im vergangenen Jahr monatlich eine Aktivität im Freizeitbereich anzubieten und so auch zum Ziel der sozialen Integration beizutragen.
Personal
Gegen Ende des Jahres 2006 entschied sich die langjährige Leiterin des Betreuten Wohnens, Rahel Gerlach, eine neue Herausforderung im sozialen Bereich anzunehmen. wipp freut sich, mit Simone Brander eine kompetente Nachfolgerin gefunden zu haben. Simone Brander absolvierte ja bereits die Ausbildung zur Sozialarbeiterin bei wipp und setzte sich im Selektionsver-fahren klar durch.
Obwohl die Arbeit an der Front mit Suchtmittelabhängigen manchmal sehr belastend ist, fiel die Fluktuationsrate im Personalbereich bei wipp wiederum sehr tief aus.
Vernetzung
Nach wie vor legt wipp einen hohen Wert auf eine gute Vernetzung unserer Angebote und Dienstleistungen. wipp ist Kollektivmitglied des Fachverbandes Sucht und arbeitet aktiv in den jeweiligen Fachgruppen mit. Zudem ist der Stellenleiter Mitglied der Begleitgruppe Schaden-minderung des Bundesamtes für Gesundheit.
Lokal arbeitet wipp eng mit verschiedensten Organisationen zusammen. Wichtigste Partner bleiben die Sozialen Dienste in Wil und die Sozialämter der Regionsgemeinden, die Suchtbera-tungsstelle Region Wil, die Entzugsstationen sowie die MSH 1 in St. Gallen. Die Zusammenar-beit mit all diesen Partnern verlief konstruktiv.
Fazit
Die hohe Nachfrage nach unseren Angeboten belegt einmal mehr, dass es wipp auch im vergangenen Jahr gut gelungen ist, ihre Dienstleistungen auf die Bedürfnisse von suchtmittelkonsumierenden Menschen und der Gesellschaft auszurichten und diese qualitativ weiterzuentwickeln. Damit konnten die Zielsetzungen der Schadenminderung einmal mehr effizient erreicht werden.