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28. November 2005
Projekt zur Erweiterung des Friedhofs Altstatt liegt vor
Der Stadtrat beantragt dem Parlament einen Kredit in der Höhe von 1,4 Mio. Franken für die zweite Etappe der Erweiterung und Umgestaltung des Friedhofs Altstatt. Baubeginn soll bereits im Frühling 2006 sein. Der Beschluss des Stadtparlaments untersteht dem fakultativen Referendum.
Das Erweiterungs- und Umgestaltungskonzept des Friedhofs Altstatt sieht insgesamt vier Bauetappen vor. Die erste Etappe der Friedhofs-Umgestaltung erfolgte 1998 und umfasste flächenmässig rund 45 Prozent des gesamten Friedhofareals. Die Baukosten betrugen knapp 1.7 Mio. Franken und lagen damit erfreulicherweise rund Fr. 300'000.-- unter dem bewilligten Kredit.
Die parkähnliche Friedhofanlage mit ihrer prägenden symbolhaften Ausgestaltung wird seitens der Bevölkerung sehr geschätzt. Die mit Hecken eingefassten Grabfelder vermitteln Intimität und Überschaubarkeit.
Trend zu Urnenbestattungen
Anfang 1992 hatte der Stadtrat aufgrund der knapper werdenden Anzahl Grabstellen eine Zukunftsanalyse für den Friedhof Altstatt in Auftrag gegeben. Diese stellte innerhalb eines Planungshorizonts von 20 Jahren und basierend auf der Annahme, dass auch die Nachbargemeinden weiterhin ihre Bestattungen in Wil durchführten, ein Manko von rund 700 Grabstellen fest. Gleichzeitig wurde ein Trend zur Urnenbestattung erkannt, was sich ebenfalls auf die Projektierung der Friedhofs-Erweiterung niederschlagen sollte. Bereits 2001 wurden auf dem Altstatt-Friedhof erstmals mehr Urnenbeisetzungen als Erdbestattungen durchgeführt. Inzwischen wird zu etwa 65 Prozent die Beisetzung in der Urne gewählt.
Zurzeit steht noch genügend Platz für Urnengräber, für Aschenbestattungen ohne Namensnennung sowie für Erdbestattungen für Kinder zur Verfügung. Die Erdbestattungsfelder sind aber seit November 2004 belegt, entsprechend musste bereits vorgängig zur zweiten Bauetappe ein neues Grabfeld, welches Platz für rund 180 Erdgräber bietet und gemäss heutigem Kenntnisstand bis Ende kommenden Jahres ebenfalls belegt sein dürfte, ausgeschieden werden. Damit Erdbestattungen künftig nicht unmittelbar neben den Bauarbeiten stattfinden müssen, sollte der Baubeginn mit Vorteil bereits im Frühling 2006 erfolgen können.
Dritte Etappe in zehn Jahren
Vor Jahresfrist hat das Parlament nun einen Projektierungskredit von Fr. 62'000.-- für die zweite Bauetappe gesprochen. Mit deren Realisierung werden etwa 80 Prozent des Gesamtkonzeptes erstellt sein. Die dritte Etappe ist voraussichtlich auf 2015 vorgesehen, die letzte soll zwischen 2025 und 2035 erfolgen.
Der Planungsauftrag für die zweite Etappe wurde wiederum dem Büro Engeler, Freiraumplaner, Wil, erteilt. Das neue Projekt, welches namentlich den südlichen und westlichen Teil des Friedhofs betrifft, basiert auf der Grundlage des Gesamtkonzeptes aus dem Jahre 1996 und führt die Ideen der ersten Bauetappe weiter. Die Kosten für die zweite Bauetappe werden mit rund 1,4 Mio. Franken veranschlagt, welche mit jährlich zehn Prozent auf den restlichen Buchwert abzuschreiben sind. Zu den Investitionskosten kommen Fr. 3650.-- jährlich für den betrieblichen Unterhalt hinzu.
Das Projekt wurde zusammen mit dem Büro Engeler von einer Spezialkommission unter dem Vorsitz von Stadtrat Beda Sartory erarbeitet. Mitglieder waren die Pfarrer Meinrad Gemperle sowie Christoph Casty, der Leiter des Hochbauamts, Heinz Blank, und Kaspar Landolt, Leiter der Stadtgärtnerei.
Längere Trocknung
Wesentliche Bestandteile der zweiten Bauetappe sind die Fortführung der Lehmmauer, ein Wasserbecken mit Brückenkonstruktion sowie die neue Wegführung und die Neugestaltung des Kapellenvorplatzes. Trotz der Probleme, die in der ersten Etappe wegen der ungenügenden Trocknungszeit mit der Lehmmauer aufgetreten sind, hat sich die Projektgruppe aufgrund der Symbolkraft und der gewünschten Integration ins Gesamtprojekt neuerlich für dieses Material entschieden. Gleichwohl wurden die Lehren gezogen: durch einen Baubeginn im Frühling sollte nämlich auch die notwendige Trocknungszeit gewährleistet werden können.
Auch die zweite Bauetappe ist geprägt von diskreter Symbolsprache. So durchzieht die erwähnte Lehmmauer in Form einer Spirale nun den gesamten Friedhof und verleiht ihm eine markante Grundgestalt. Die Spirale, ohne Anfang und Ende, symbolisiert Unendlichkeit und Ewigkeit zugleich und verbindet die beiden Kreise der Rondelle und des Wasserbeckens. Die Rondelle für die Urnenbestattungen wurde bereits im Rahmen der ersten Bauetappe geschaffen und versinnbildlicht Kommen und Gehen. Neu gesellt sich als Symbol für die Taufe und den Ursprung der Schöpfung das runde Wasserbecken hinzu. Die begehbaren Wasserstege stehen ebenfalls für den Übergang ins Leben, aber zugleich in den Tod. Die Bepflanzung mit Seerosen schliesslich versinnbildlicht die Reinheit der Schöpfung. Ein Weinstock ergänzt sodann diese Symbolik und steht für Lebenskraft, Wachstum und Ernte des Lebens.
Wegnetz wird ausgebaut
Ein Asphaltweg erweitert zudem das bestehende Wegnetz und führt durch den südlichen Teil des Friedhofs. Bogenwege durch das Zentrum der Spiralmauer ermöglichen eine schnellere Nord-Südverbindung. Der Vorplatz der Kapelle wird als quadratische Kiesfläche ausgebildet. Seitlich wird der Platz von Sitzmauern gefasst, die zum Verweilen einladen sollen. Im westlichen Bereich ist ein fester Muldenplatz mit direkter Zufahrt vorgesehen. Dieser wird mit Hecken optisch abgeschirmt, damit der Abtransport der Friedhofabfälle jederzeit ohne Störungen für die Besucherinnen und Besucher vonstatten gehen kann. Die bestehende Bepflanzung wird durch eine Kirschbaumreihe am Kapellenvorplatz und weiteren Einzelbäumen zwischen den Grabkammern ergänzt, der Rebenhain mit zusätzlichen Reben vervollständigt.
Antrag Stadtrat