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12. November 2008
12. November 2008
Spieglein, Spieglein an der Wand
Kunst am Bau soll das Wiler Mattschulhaus, dessen Sanierung und Umbau im August 2008 abgeschlossen wurde, bereichern. Das Projekt «SpiegelBild» des St. Galler Künstlers Jan Kaeser verbindet dabei Innen- und Aussenflächen und lässt unter Einbezug der Schülerinnen und Schü-ler auf Spiegelflächen wie auch in Spiegelrahmen stets Neues entstehen und wieder vergehen.
Nach einer gut einjährigen Umbauphase wurde das Wiler Mattschulhaus auf den Beginn des Schuljahres 2008/2009 im August dieses Jahres wieder dem Schulbetrieb übergeben. Im von Parlament und Stimmbürgern bewilligten Baukredit von 15,28 Millionen Franken war ein Betrag von 94'900 Franken für Kunst am Bau inbegriffen. Dieser Betrag umfasst die Ausführung wie auch das Künstlerhonorar. Für die Realisierung der Kunst am Bau im Mattschulhaus wurde ein Projektwettbewerb ausgeschrieben. Dabei wurden alle Fassadenflächen, alle Verbindungsebenen wie Korridore, Vorplätze und Treppenläufe sowie sämtliche Aussenbereiche als mögliche Orte für künstlerische Interventionen definiert, wobei den Themen und Inhalten der künstlerischen Beiträge keine Grenzen gesetzt waren. Mit Jan Kaeser (St. Gallen), Mark Staff Brandl (Trogen), Anita Zimmermann (St. Gallen), Stefan Kreier (Eschlikon) und Thomas Freydl (Ganterschwil) wurden fünf Künstlerinnen und Künstler zur Teilnahme eingeladen.
Zuschlag für Jan Kaesers «SpiegelBild»
Die eingeladenen Kunstschaffenden reichten ihre Projekte fristgerecht bis am 24. Oktober 2008 ein. Eine Jury, bestehend aus den fünf stimmberechtigten Mitgliedern Stadtrat Beda Sartory (Departementsvorsteher Bau, Umwelt und Verkehr), Stadträtin Marlis Angehrn (Departementsvorsteherin Bildung und Sport), Renato Müller und Frank Nievergelt (beide Mitglieder der Kulturkommission) sowie Florian Eicher (Amt für Kultur des Kantons St. Gallen) und den vier Mitgliedern mit beratender Stimme Oliver Gehrer (Projektleiter Hochbau, Stadtplanung), Jürg Weber (Architekt Weber Hofer Partner AG ), Ruedi Blumer (Schulleiter des Mattschulhauses als Vertretung des Lehrpersonals) und Roland Hofer (Leiter Anlagen im Departement Bildung und Sport), bewertete die eingereichten künstlerischen Projekte.
Alle Wettbewerbsbeiträge zeigte eine persönliche Auseinandersetzung mit dem Ort, der besonderen Situation einer Schule und der bestehenden Architektur. Die Werke wurden dabei aus ganz unterschiedlichen künstlerischen Ansätzen heraus entwickelt, was eine Vielfalt an realisierbaren Lösungen ergab. Zwei Projekte bezogen die Aussenfassade in die Gestaltung ein, eines den öffentlich zugänglichen Innenbereich und zwei sowohl die Fassade als auch das Innere. Schliesslich entschied sich die Jury für das Projekt «SpiegelBild» von Jan Kaeser aus St. Gallen, welches die Innen- und Aussenflächen des Mattschulhauses mit korrespondierenden Aspekten in eine spannende Beziehung setzt.
Innen und aussen in einem spannenden Dialog verbinden
Das von Jan Kaeser präsentierte Konzept «SpiegelBild» bietet kein fixes, abgeschlossenes Kunstwerk, sondern ist prozessorientiert ausgelegt, wobei es die Aspekte vom Wandel und der Mitgestaltung der Schülerinnen und Schüler mit einbezieht. Ausgangsmaterial bilden 36 gerahmte barocke Spiegel. Die Spiegelgläser werden in Gruppen in den Schulhauskorridoren an die Wände angeordnet. Auf jeden der Spiegel wird ein Wort geschrieben, das innerhalb der Gruppe ein Spiel ergibt, das von Lernenden und Lehrenden individuell interpretiert werden kann. Die leeren Rahmen der Spiegel hingegen werden an der Aussenfassade zum Pausenplatz hin angebracht und laufen um die Ecke Richtung Strasse weiter. In einem jährlichen Turnus können unter anderem die Schülerinnen und Schüler des Mattschulhauses diese Rahmenflächen nach ihren Vorstellungen füllen und ausgestalten.
In den Gängen werden sich die Vorbeilaufenden spiegeln, wobei die Spiegel gleichzeitig illusionäre Raumerweiterungen als auch Symbole des fliessenden Lebens sind, da sie nichts auf Dauer festhalten sondern immer wieder neue Bilder, Spiegelbilder der Passanten zeigen. Aussen widerspiegeln die Rahmen das Leben und die Vielfalt im Mattschulhaus, indem sie Platz bieten für eine sich stetig wandelnde Ausstellung vielfältiger, auch jugendlicher Gestaltungsfreude: Die Schulhausecke wird immer wieder neue Ansichten bieten. So bringt der Künstler die beiden unterschiedlichen Innen- und Aussenansichten in einen spannungsvollen Dialog, was die beiden Teile inhaltlich wieder vereint.
Das Kunstwerk als Ganzes in der Kombination von Innen und Aussen zeigt eine sehr persönliche künstlerische Interpretation der Themenfelder Ausbildung, Freiheit und Kreativität. Optisch integrieren sich die künstlerischen Eingriffe gut in die subtil entwickelte, aber auch grosszügige Architektur des Mattschulhauses. Dabei sind die Elemente aber auch kontrastreich genug, um Blicke auf sich zu ziehen und dabei Anregung für weiterführende Gedanken zu geben.
Siegerprojekt und weitere Entwürfe besichtigen
In den kommenden Tagen werden letzte offene Detailfragen mit dem Künstler geklärt, so dass das stadträtliche Departement Bau, Umwelt und Verkehr anschliessend Jan Kaeser den definitiven Auftrag für das Projekt erteilen kann. Bis spätestens zum Beginn des Schuljahres 2009/2010 soll das Kunstprojekt am Mattschulhaus dann fertig gestellt sein.
Der Entwurf zum Siegerprojekt «SpiegelBild» von Jan Kaeser sowie die Entwürfe zu den anderen eingereichten Projekten können von allen Interessierten von Freitag, 14. November 2008, bis am Samstag, 22. November 2008, im Foyer des Mattschulhauses besichtigt werden. An Wochentagen ist die Ausstellung tagsüber von 14.00 bis 19.00 Uhr offen, an den beiden Samstagen 15. und 22. November 2008 jeweils von 8.30 bis 12.00 Uhr.

Leere Spiegelrahmen schlagen eine Brücke zum Schul-Innenraum und bieten an der Aussenfläche des Mattschulhauses Platz für gestalterische Arbeiten. Das Bild zeigt eine mögliche Ausgestaltung, die in Details noch angepasst werden kann. Illustration: Jan Kaeser