Archiv
19. November 2008
19. November 2008
Familienergänzende Kinderbetreuung im Vorschulalter ausbauen und unterstützen
Vielfältige Lebens- und Arbeitsformen in der heutigen Gesellschaft liessen die Nachfrage nach familienergänzender Kinderbetreuung in den vergangenen Jahren ansteigen. Dieser Nachfrage will die Stadt Wil schrittweise gerecht werden.
Eine breite Förderung von familienergänzender Kinderbetreuung, so der Stadtrat, hilft mit, gesellschaftlichen Entwicklungen Rechnung zu tragen und den Bedürfnissen der Eltern gerecht zu werden sowie Standortvorteile zu erarbeiten: In Wil sollen Eltern ein vielfältiges, qualitativ gutes, flexibles und finanziell tragbares Angebot familienergänzender Betreuung vorfinden. Ein erster Schritt war die flächendeckende Einführung eines Tagesstrukturangebotes an allen Wiler Primarschulen auf den Sommer 2007, noch ehe auf das Schuljahr 2008/2009 im ganzen Kanton die Blockzeit eingeführt wurde. Seitens des Departements Bildung und Sport ist eine Ausweitung des Angebots über Mittag für die Oberstufenschülerinnen und -schüler geplant.
Bestehende Angebote
Neben Angeboten für Kinder im Schulalter bleibt dasjenige für Kinder im Vorschulalter zu klären. Dazu legt der Stadtrat dem Parlament nun Bericht und Antrag vor. Heute bestehen in Wil diverse Angebote, unterschiedlich in Bezug auf Alter der Kinder, Trägerschaft oder Zugänglichkeit: Die Kinderkrippe Chäferhus für 24 Kinder von drei Monaten bis Schuleintritt ist ein betriebseigenes Angebot der St. Gallischen Psychiatrischen Dienste Nord und steht primär nur deren Mitarbeitenden offen. Der Verein Tagesfamilien sucht jeweils individuell Tagesfamilien für Kinder von drei Monaten bis zur Mündigkeit und steht allen Wilerinnen und Wilern offen. Allgemein zugängliche Kindertagesstätten für Kinder ab drei Monaten gibt es nur zwei, beide von Vereinen getragen: Die KiTs Kindertagesstätte Wil bietet 30, die Kindertagesstätte Wil 18 Plätze.
Umfrage zur Bedarfsabklärung
Ende 2007 liess das Departement Soziales, Jugend und Alter eine Bedarfsabklärung zur familienergänzenden Kinderbetreuung im Vorschulalter durchführen. Alle 866 Wiler Eltern mit Kindern unter sieben Jahren erhielten einen Fragebogen. Erfreulicherweise wurden 40 Prozent retourniert. Zwei Drittel der Antwortenden meldeten grundsätzlich Bedarf an familienergänzender Kinderbetreuung an, die Mehrheit sprach sich für Kindertagesstätten aus. Rund 60 Plätze für Kinder im Vorkindergartenalter und 35 Plätze für Kinder im Kindergartenalter seien nötig, so die Umfrage. In beiden Fällen schien eine Lücke insbesondere im Norden Wils auf. 80 Prozent der Befragten zeigten sich bereit, einen Elternbeitrag zur Finanzierung zu leisten.
Subventionen für einkommensabhängige Tarife
Der Stadtrat will im Vorschulbereich keine städtische Kindertagesstätte eröffnen, sondern private Initiative, wie sie in diesem Bereich schon existiert, fördern und unterstützen. Bei den städtischen Angeboten Tagesstrukturen und Kinderhort trägt die Stadt das Defizit. Die Kindertagesstätten hingegen sind privat geführte Angebote und müssen kostendeckend arbeiten. Damit eine Kindertagesstätte abgestufte, einkommensabhängige Elterntarife anbieten kann, sind auf der Basis einer Leistungsvereinbarung städtische Subventionen notwendig.
Bisher besteht erst eine solche Vereinbarung mit der Kindertagesstätte Wil: Analog zu anderen St. Galler Städten übernimmt Wil dabei die Differenz zwischen dem individuellen, einkommensabhängigen Tarif der Eltern und dem wirtschaftlichen, voll kostendeckenden Tagesansatz. Eine Leistungsvereinbarung ist an Bedingungen geknüpft: So sind die mit der Stadt vereinbarten Tarife, die Controllingpflicht und die Empfehlungen zu Anstellungsbedingungen und Besoldung des Verbandes Kindertagesstätten der Schweiz einzuhalten. Zudem muss die Kindertagesstätte über eine gültige Betriebsbewilligung des Amt für Soziales des Kantons St. Gallen verfügen. Voraussetzung dafür ist ein Betriebskonzept mit Massnahmen zur Qualitätssicherung, eine von der Leitung unabhängige interne Aufsicht sowie eine gesicherte Finanzierung.
Ziel der Stadt Wil ist es, mit der KiTs Kindertagesstätte eine Leistungsvereinbarung zur Sicherung und Subventionierung von vorerst zehn bestehenden Plätzen abzuschliessen. Die Kindertagesstätte Wil soll zudem in ihrer Absicht bestärkt werden, im Nordosten eine «Filiale» zu eröffnen und dort weitere zehn ebenfalls subventionierte Plätze anzubieten. Nebst den 18 bestehenden, subventionierten Plätzen in der Kindertagesstätte Wil stünden so zehn KiTs-Plätze und zehn neue Plätze im Nordosten Wils zur Verfügung. 2010 oder 2011 soll zudem eine allfällige Ausdehnung der KiTs-Leistungsvereinbarung sowie eine zusätzliche Vereinbarung mit der Kinderkrippe Chäferhus für zehn bis zwölf Plätze abgeklärt werden.
Kostenfolgen für die Stadt
Die bestehenden 18 Plätze der Kindertagesstätte Wil kosten bei einem kostendeckenden Ansatz von 90 Franken pro Platz und Betriebstag total 388’800 Franken pro Jahr. Bisher steuerte die Stadt Wil gemäss Leistungsvereinbarung 135'000 Franken bei. Daneben erhält der Verein Tagesfamilien 20'000 Franken.
Der Stadtrat beantragt nun dem Parlament, diesen Betrag um maximal 205'760 Franken auf 360'760 Franken zu erhöhen: Für die Kindertagesstätte Wil neu 174'960 Franken, dazu erstmals 97'200 Franken für die KiTs und 48'600 Franken für die ersten sechs Betriebsmonate eines neuen Kindertagesstätten-Angebots im Norden Wils. Basis für die Berechnung des Betrages bildet eine Beteiligung der Stadt Wil von 45 Prozent. Der Beitrag an den Verein Tagesfamilien soll um zusätzliche 20'000 Franken erhöht werden. Ab den Jahr 2010 seien sodann jährlich wiederkehrende Gesamtausgaben von maximal 409'360 Franken für die familienergänzende Kinderbetreuung im Vorschulalter vorzusehen.