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26. August 2009

26. August 2009

Mitteilung der gemeinsamen Arbeitsgruppe «Kooperation im Altersbereich» der Gemeinden Bronschhofen, Niederhelfenschwil, Rickenbach, Wil, Wilen und Zuzwil

Kooperation im Altersbereich über Gemeindegrenzen hinweg

Dienstleistungen und Informationen im Bereich Betreuung und Pflege älterer Menschen sollen künftig koordiniert angeboten werden können. Mit diesem Ziel haben die sechs Gemeinden Bronschhofen, Niederhelfenschwil, Rickenbach, Wil, Wilen und Zuzwil eine gemeinsame Arbeitsgruppe «Kooperation im Altersbereich Wil und Umgebung» gebildet. Mittlerweile liegen erste Ergebnisse vor: Eine gemeinsame Betriebsgesellschaft soll geschaffen werden.

Betreuung und Pflege von älteren Menschen verändern sich. Vier wesentliche Elemente prägen diese Entwicklung:

  • Ältere Menschen möchten so lange wie möglich zu Hause wohnen und treten immer häufiger erst dann in ein Alters- und Pflegeheim ein, wenn es nicht mehr anders geht. Dadurch nimmt in den Heimen die Pflegebedürftigkeit der Bewohnenden und deren Durchschnittsalter zu und die durchschnittliche Aufenthaltsdauer ab. Auf Seiten Spitex steigt die Inanspruchnahme ihrer Leistungen aus den gleichen Gründen laufend an. Spitex und Heime sind zunehmend auf engere Zusammenarbeit angewiesen.
     
  • Die Finanzierung hat sich deutlich verändert. Bei der Spitex hat sich der Bund zurückgezogen, und die Kantone haben die Kosten grösstenteils auf die Gemeinden abgewälzt. Gleichzeitig sind die Preise durch Bundesrecht eingefroren, so dass die finanzielle Belastung für die Gemeinden laufend steigt. Alters- und Pflegeheime ihrerseits bekommen von Bund und Kanton keine Subventionen mehr. Die zunehmende finanzielle Belastung der Gemeinden führt zur Suche nach neuen Lösungen.
     
  • Die Führungs- und Aufsichtsaufgaben von Gemeinden werden im Bereich der Betreuung und Pflege von älteren Menschen immer komplexer. Für Gemeindepolitikerinnen und -politiker, welche noch zahlreiche andere Aufgaben zu erfüllen haben, wird es angesichts der jedes Jahr zunehmenden Regulierung immer schwieriger, ihre Pflichten wahrzunehmen.
     
  • Die Angebote im Bereich Pflege und Betreuung werden für deren Kundinnen und Kunden immer breiter und unübersichtlicher. Wer beispielsweise einen Platz in einem Alters- und Pflegeheim sucht, muss sich selbst schlau machen und überall anklopfen.

Engere Zusammenarbeit prüfen
Die sechs Gemeinden Bronschhofen, Niederhelfenschwil, Rickenbach, Wil, Wilen und Zuzwil haben im Rahmen einer Phase 1 anfangs 2008 mögliche Kooperationsformen diskutiert. Es wurde vereinbart, die Machbarkeit einer engeren Zusammenarbeit zu prüfen. Ziele sind unter anderen die gemeinsame Nutzung von Ressourcen wie Pflegebetten in Heimen oder das gemeinsame Anbieten von Leistungen wie beispielsweise einer Informations- und Koordinationsdrehscheibe. Auch sollen die Gemeinden in der Aufsicht über die Betriebe entlastet werden, indem ein zumindest teilweise aus Fachleuten zusammengesetztes strategisches Organ die unternehmerische Aufsicht und Führung übernimmt.

Dabei orientieren sich die beteiligten Gemeinden an der Gemeinde Rapperswil-Jona, welche vor wenigen Jahren den Altersbereich in eine Stiftung verselbständigt hat. Diese Stiftung «RaJoVita» vereinigt mehrere Heime, Pflegewohnungen, eine Tagesstätte und die Spitex in einem Betrieb. Als Beratungs- und Koordinationsstelle besteht bei RaJoVita eine «Drehscheibe», die von der Bevölkerung weit über die Erwartungen hinaus rege benützt und geschätzt wird.

Gemeinsame Betriebsgesellschaft als beste Lösung
Für das weitere Vorgehen in der Region Wil wurde eine Arbeitsgruppe mit den Mitgliedern Margerita Baumgartner (Wilen), Marianne Christen und Brigitte Rebsamen, ihre Nachfolgerin im Gemeinderat (Rickenbach), Martin Giger (SPITEX-Dienste Wil und Umgebung), Barbara Gysi (Wil), Rolf Högger (Niederhelfenschwil), Jean-Daniel Sieber (Zuzwil) und Marlise Zünd (Bronschhofen) gegründet. Unter externer Begleitung durch Roland Wormser (H_Focus AG, Baar) hat diese Gruppe in der Phase 2 einen Bericht für eine Machbarkeitsstudie erarbeitet. Dabei wurden zahlreiche Varianten geprüft und sorgfältig abgewogen. Als beste Variante hat sich die Schaffung einer gemeinsamen Betriebsgesellschaft erwiesen, und zwar in Form einer Aktiengesellschaft (AG) mit gemeinnützigem Zweck, die steuerbefreit ist. Aktionäre wären ausschliesslich die sechs Gemeinden. Im Gegensatz zu einer Stiftung bleibt via Aktien das Vermögen bei den Gemeinden. Die Gesellschaft kann flexibel gestaltet und bei Bedarf leicht angepasst oder erweitert werden. Der Verwaltungsrat mit sieben Mitgliedern soll primär mit Fachleuten besetzt werden, aber auch zwei bis drei Gemeindevertreterinnen und -vertreter umfassen.

Betriebe einbringen, Standorte erhalten
Durch das Einbringen der Betriebe Rosengarten (Bronschhofen), Pflegezentrum Fürstenau (Zweckverband mit Bronschhofen, Niederhelfenschwil und Wil), Sonnenhof (Wil) und Lindenbaum (Zuzwil) sowie der Integration der SPITEX-Dienste Wil und Umgebung kann ein dynamischer, aktiver Betrieb geschaffen werden, der mit rund 250 Mitarbeitenden immer noch übersichtlich bleibt, ähnlich wie in Rapperswil-Jona.

Eine Drehscheibe soll als Informations- und Koordinationsstelle der Bevölkerung einerseits unabhängige Beratung bieten und andererseits erleichterten und fachlich unterstützten Zugang zu den Leistungen ermöglichen. Diese Drehscheibe wird deshalb keinem der beteiligten Betriebe eingegliedert, sondern direkt der Führung unterstellt. Die Kundinnen und Kunden der neuen Gesellschaft profitieren zudem von gutem Know-how und gleicher Qualität an allen Standorten. Die Standorte sollen alle beibehalten werden. Partner wie zum Beispiel Ärztinnen und Ärzte oder Spitäler erhalten gut informierte und verfügbare Ansprechpartner, welche ihnen die Zusammenarbeit erleichtern werden.

Synergiepotenziale vorhanden
Die Überprüfung der Synergiepotenziale hat gezeigt, dass die neue Gesellschaft zumindest einen Teil der Finanzierung der Drehscheibe selbst übernehmen kann. Den Rest steuern die beteiligten sechs Gemeinden im Sinne einer Anschubfinanzierung für die ersten Jahre bei. Im Weiteren kann die neue Gesellschaft ihre Leistungen selbst finanzieren – ausser bei der Spitex, wo gesetzliche Vorgaben die Unterstützung durch die Gemeinden vorschreiben.

Zukunftsgerichtete Lösung
In der nachfolgenden Phase 3, welche ab Frühling 2010 durchgeführt werden soll, werden das Detailkonzept und eine Entscheidgrundlage für die politisch zuständigen Organe ausgearbeitet. Das beinhaltet sämtliche juristischen Grundlagen und einen Business-Plan mit einem Finanzplan. Die Ergebnisse sollen anfangs 2010 vorliegen, so dass der politische Entscheidprozess während des Jahres 2011 beziehungsweise anfangs 2012 ablaufen kann. Der Rest des Jahres 2012 wird für die Vorbereitung der Umsetzung genutzt, damit die neue Gesellschaft ihren Betrieb auf Anfang 2013 aufnehmen kann.

Die beteiligten sechs Gemeinden werden in den nächsten sechs bis neun Monaten über ihre Beteiligung an der Fortführung des Projekts entscheiden. Die Gemeinden werden in den Gemeinderäten und Gemeindeversammlung, resp. in Wil im Stadtrat und im Stadtparlament die Ergebnisse der Phase 2 diskutieren und über die Beteiligung in der Phase 3 bis Frühjahr 2010 entscheiden.

Die Arbeitsgruppe ist überzeugt, dass mit dem skizzierten Modell sowohl für die Kundinnen und Kunden und die Bevölkerung als auch für die Gemeinden eine zukunftsgerichtete Lösung entsteht, die allen einen grossen Nutzen bringt.

Text der Arbeitsgurppe als PDF-Dokument

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