
Die Filmerzählerin Hernàn Rivera Letelier
In einer Minensiedlung mitten in der chilenischen Wüste, wo Salpeterabbau betrieben wird, leben Familien in ärmlichen Verhältnissen. Kino bedeutet in dieser Welt die grosse Abwechslung zum kargen und strengen Alltag. Beliebt sind Hollywoodfilme und mexikanische Melodramen mit viel Gefühl und Musik. Der Vater von María Margerita ist nach einem Minenunfall gelähmt und die Mutter danach davongelaufen. Das Geld reicht nicht weit. Ab und zu ist es ihm möglich, eines seiner Kinder ins Kino zu schicken und dieses soll dann ihm und der ganzen Familie den Film erzählen. Die zehnjährige María Margarita entpuppt sich dabei als überaus begabte Erzählerin, die bald die halbe Siedlung herbeilockt mit ihrer erfinderischen Freude und Hingabe, die Welt auf der Leinwand zum Leben zu erwecken. Mit ihrer Erzählkunst erlebt sie jedoch nicht nur Glücksmomente, sondern ihr widerfährt auch Schreckliches.
Der Autor Letelier ist selber in einer Minensiedlung aufgewachsen und begann in jungen Jahren buchstäblich aus Hunger mit dem Schreiben. Schlicht, kräftig und berührend schildert er in seinem Roman das Leben in der Minensiedlung, den Zauber des Erzählens und die Kunst der Vorstellungskraft.

Kinder fragen nach Gott
Wie spirituelle Erziehung Familien stärkt Anselm Grün, Jan-Uwe Rogge
Mit Spiritualität meinen die beiden Autoren „Sei einfach!“. Und je nach Betonung ergeben sich zwei unterschiedliche spirituelle Haltungen. „Sei“ - damit wird das Hier und Jetzt ins Zentrum gestellt, sich anzunehmen, wie man ist als Mutter oder Vater und in diesem Gedanken auch die Kinder ansehen und annehmen. Mit der Betonung auf „Einfach“ wird eine weitere Seite der Spiritualität beleuchtet. Das Augenmerk auf das Wesentliche zu legen. Zeit zu haben für die Kinder ohne grosse Programme und Aktivitäten. Rituale können in unserer Zeit eine Hilfe sein, den Kindern Heimat und Geborgenheit zu vermitteln. Ausserdem werden durch Rituale der Tag und das Jahr rhythmisiert und wer im Rhythmus lebt, geht nachhaltig mit seinen Kräften um.
Für den Benediktinerpater Anselm Grün und den bekannten deutschen Familienberater Jan-Uwe Rogge besteht das Geheimnis glücklicher Familien in der gelingenden Balance von Optimismus und Demut und die Spiritualität als Teil des Lebens zu spüren und zu entfalten.
Lasst Kinder wieder Kinder sein! Michael Winterhoff
Der Mensch in der heutigen Gesellschaft ist rastlos, hat viele Sicherheiten der früheren Jahre verloren, etwa in unsicheren Beziehungen, in Sinn- und Wertefragen oder durch instabile Arbeitsprozesse. Zudem werden wir überschüttet von Negativnachrichten und unsere Zeit zeigt sich als ein ständig beschleunigendes Hamsterrad.
Michael Winterhoff zeigt Auswege aus dem Mitreissenden „Immer-weiter-so“. Jeder Erwachsene soll hier gegensteuern, denn sonst hat dies fatale Auswirkungen auf das Leben mit Kindern. Und es sollte bewusst werden: Auch Eltern brauchen Grenzen. Denn nur Erwachsene, die in sich ruhen, Distanz schaffen zur permanenten Getriebenheit und wieder zur Intuition gelangen, können auch für ihre Kinder zu einem echten Gegenüber werden. Damit könnten wir Kinder endlich wieder Kinder sein lassen. ib