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Worum geht es im Projekt Schule 2020?

Durch die Gemeindevereinigung im Jahr 2013 wurden die öffentlichen Schulen von Bronschhofen, Rossrüti und Wil zusammengeführt. Nach der Neuorganisation und der Zusammenführung der verschiedenen Schulkulturen sind nun die strategische Ausrichtung der öffentlichen Schulen und ein Oberstufenkonzept zu definieren sowie die Schul- und Schulraumplanung vorzunehmen. Aus diesem Grund initiierte der Stadtrat im Jahr 2015 das Projekt Schule 2020.

In einem breit angelegten Prozess wurden seit April 2016 in drei Teilprojekten die strategischen Zielsetzungen, eine Schul- und Schulraumplanung und die Grundlagen für ein Oberstufenkonzept ausgearbeitet.

Für die Steuerung des Projektes setzte der Stadtrat einen Lenkungsausschuss aus Stadtrat und Schulrat unter der Leitung von Stadträtin Jutta Röösli ein. In den Projektgruppen wirkten Schulratsmitglieder, Schulleitungen und Fachmitarbeitende der Stadt Wil mit. Die Stiftung Schule St. Katharina hatte beratend Einsitz im Lenkungsausschuss und in Projektgruppen. In einer breit abgestützten Begleitgruppe brachten sich Vertretungen der Fraktionen des Stadtparlaments, der Lehrpersonen, der Elternvereinigung Wiler Schulen ElWiS sowie des Gewerbevereins und des Arbeitgeberverbandes der Stadt Wil konsultativ mit ein. Die Stadt informierte jeweils über die Zwischenergebnisse. Nun hat der Stadtrat den Schlussbericht zum Projekt Schule 2020 verabschiedet.

Zusätzlicher Schulraum notwendig

Das Teilprojekt 1 befasste sich mit der strategischen Ausrichtung der Schulen der Stadt Wil. In einem mehrstufigen Prozess wurden Visionen sowie dazugehörige Strategien und Massnahmen zu folgenden Themen ausgearbeitet: Schulführung, Unterricht, Zusammenarbeit im Lehrpersonenteam, Chancengerechtigkeit, Qualitätssicherung und Zusammenarbeit mit den Eltern. Entstanden sind umfassende und gut abgestützte Ergebnisse, welche auch die jetzigen Qualitäten der Schulen der Stadt Wil aufzeigen.

Für die Schul- und Schulraumplanung im Teilprojekt 2 wurde von der Firma Basler&Hofmann der bestehende Schulraum bezüglich des pädagogisch-funktionalen und des baulichen Zustands analysiert sowie eine Schüler- und Klassenprognose auf Grundlage der Bevölkerungsentwicklung erstellt. Die Ergebnisse zeigen, dass ab sofort und in den nächsten wenigen Jahren zusätzlicher Schulraum in einem grösseren Rahmen erstellt werden muss. Die Firma Basler&Hofmann erarbeitete in einem zweiten Schritt Machbarkeitsnachweise für die einzelnen Schulstandorte und Modelle. Bei Modell B wird vorgeschlagen, die Oberstufe Sonnenhof in eine Primarschule umzuwandeln. Die neue Primarschule im Sonnenhof würde die bisherigen Primarschulstandorte im Zentrum der Stadt (Kirchplatz und Tonhalle/Klosterweg) und die Primarschule Allee entlasten. Damit wäre voraussichtlich kein Ausbau der zentralen Primarschulstandorte notwendig. Bei Modell D mit drei öffentlichen Oberstufen wären Erweiterungen der drei Primarschulstandorte im Zentrum notwendig. In diesem Fall würde kein neuer Primarschulstandort geschaffen.

Zwei Oberstufenmodelle vertieft ausgearbeitet

Im Teilprojekt 3 fand eine Auseinandersetzung mit dem strukturellen, aber auch pädagogischen Oberstufenkonzept statt. Unter Berücksichtigung der wesentlichsten Herausforderungen wurde ein pädagogisches Oberstufenprofil für die mittel- bis langfristige Weiterentwicklung der städtisch geführten Oberstufen ausgearbeitet. Das Profil umfasst die beiden Elemente „Fit für das Leben“ und „Fit für den Beruf“, welche als Kernziele der Oberstufe zu bezeichnen sind.

Eine wesentliche Rolle spielt das strukturelle Modell für die Oberstufen der Stadt Wil. Zu klären ist insbesondere die Frage der längerfristigen Zusammenarbeit mit der Stiftung Schule St. Katharina. Die jetzige Oberstufenstruktur mit vier kleineren Schuleinheiten ist für eine Stadt in der Grösse von Wil nicht mehr zeitgemäss. Eine Reduktion der Schuleinheiten auf maximal drei Oberstufen war auf politischer Ebene bereits im Vorfeld als Erwartung an das Projekt formuliert worden. Aus fünf vorerst grob erarbeiteten Modellen A bis E erfüllten gemäss breiter Vernehmlassung die Modelle B und D die wesentlichen Anforderungen für die detaillierte Weiterbearbeitung. Entsprechend erteilte der Stadtrat der Projektleitung im Dezember 2017 den Auftrag, die beiden Modelle konkret weiter zu bearbeiten:

  • Bei Modell B würden die Wiler Jugendlichen in zwei öffentlichen Oberstufen (koedukative Beschulung gemäss Volksschulgesetz) und ergänzend in der Schule St. Katharina beschult (seedukative Beschulung), und zwar in allen drei Oberstufen Real- wie Sekundarschülerinnen und -schüler. Die öffentliche Oberstufe Sonnenhof würde aufgehoben und in die Oberstufen Lindenhof und Bronschhofen überführt. Ein entsprechender Ausbau dieser beiden Oberstufen wird erforderlich. Am Standort Sonnenhof würde eine neue Primarschule geschaffen.
  • Bei Modell D bleiben die drei öffentlichen Oberstufen bestehen. Eine öffentliche Beschulung von Wiler Jugendlichen in der geschlechtergetrennt geführten Schule St. Katharina findet nicht mehr statt. Die drei Oberstufen Lindenhof, Sonnenhof und Bronschhofen werden entsprechend ausgebaut.

Stiftung Schule St. Katharina lehnt Vertragsentwurf ab

Für beide Modelle liegen nun die Grundlagen ausgearbeitet vor. Jene für Modell B wurden in enger Zusammenarbeit mit der Stiftung Schule St. Katharina ausgearbeitet und umfassen auch einen Entwurf für einen neuen Zusammenarbeitsvertrag mit der Stiftung. Der Stiftungsrat hat den Vertragsentwurf nach langer gemeinsamer Ausarbeitungs- und Verhandlungsphase kurz vor dem Abschluss abgelehnt. Es müsse aus pädagogischen und betriebswirtschaftlichen Überlegungen bei den Knaben nicht nur eine typengemischte Klasse, sondern je eine Knaben-Real- und Sekundarschulklasse angestrebt werden. Des Weiteren lehnt die Stiftung die Regelungen ab, mit denen der Stadtrat die Volksschulkonformität trotz der seedukativen Beschulungsmöglichkeit sicherstellen möchte.

Der Stadtrat besteht darauf, dass der Anteil der Schule St. Katharina 25 Prozent der Gesamtzahl der städtischen Oberstufenschülerinnen und -schüler nicht überschreiten soll und der Anteil eines Geschlechts in den Regelklassen der öffentlichen Oberstufen nicht weniger als 40 Prozent betragen darf. Aus Sicht des Stadtrates lässt sich das Modell B, wie es von der Stiftung im Juni 2017 vorgeschlagen und anschliessend ausgearbeitet wurde, in adäquater Weise umsetzen. Die Kosten könnten im üblichen Rahmen einer öffentlichen Volksschule gehalten werden.

Wil ist ein moderner Bildungsstandort mit einer ausgezeichneten und professionell geführten öffentlichen Volksschule. Die Stadt ist dem Volksschulgedanken verpflichtet und setzt sich engagiert für die Chancengerechtigkeit der Kinder ein. Bildung und Schule sind Kerngeschäfte des Staates. Die Hoheit über Strategie und Ausrichtung der Volksschule liegt in der Verantwortung der öffentlichen Hand. Damit die Volksschule für die Herausforderungen der Zukunft gerüstet ist, sollen die zur Erfüllung der Aufgabe gehörenden Kompetenzen und Verantwortlichkeiten in einer Hand zusammenlaufen.

Nutzwertanalyse spricht für Modell D

Für die Bewertung der beiden Modelle wurde sowohl für die Beurteilung der Modelle an sich als auch für die Beurteilung der Schul- und Schulraumplanung je eine Nutzwertanalyse erstellt. Sie berücksichtigen die Aspekte Gesellschaft/Chancengerechtigkeit, Pädagogik, Umsetzung und räumliche Nutzung, Finanzen, Organisation und Chancen/Risiken.

Der Stadtrat favorisiert aufgrund der Bewertung der Modelle in den Nutzwertanalysen deutlich das Modell D. Auf der Basis der erfolgten Erarbeitung hat er eine Gesamtschau vorgenommen und die Vor- und Nachteile der beiden Modelle sorgfältig abgewogen. Beide bringen eine Verbesserung gegenüber heute. In der Endabwägung überwiegen jedoch die Vorteile von Modell D klar.