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Fragen und Antworten

Das Projekt Schule 2020 mit seinen drei Teilprojekten umfasst eine Vielzahl an bearbeiteten Themenbereichen. Nachfolgend werden die wichtigsten Fragen zum Projekt, insbesondere zu den Oberstufenmodellen beantwortet.

1. Wie ist der Entscheid für Modell D zustande gekommen?
2. Welches sind die wichtigsten Vorteile von Modell D?
3. Was ist an Modell D besser als an Modell B?
4. Der Stadtrat sagt, dass bei einem Entscheid für das Modell D teure «Providurien» nötig werden könnten. Wieso?
5. Warum soll die Zusammenarbeit mit dem Kathi nicht weitergeführt werden?
6. Wie geht es weiter? Wie sehen die nächsten Schritte aus?
7. Wenn das Kathi nicht mehr im Angebot ist, gibt es dann in Wil noch genügend Schulraum für die Schülerinnen und Schüler?
8. Werden in Wil auch ohne Kathi weiterhin geschlechtergetrennte Klassen geführt?
9. Mein Kind geht jetzt ins Kathi. Kann es die reguläre Schulzeit dort noch beenden?
10. Kann ich mein(e) Kind(er) auch nach dem Schuljahr 2023/24 noch ins Kathi schicken, wenn ich das möchte?
11. Wie ist das nun mit den Verträgen? Wie lange läuft der aktuelle Schulvertrag zwischen der Stadt und dem Kathi? Wann soll er gekündigt werden?
12. Wieso soll die über 200 Jahre alte, bewährte Zusammenarbeit zwischen der Schule St. Katharina und der Stadt nicht mehr weitergeführt werden?

1. Wie ist der Entscheid für Modell D zustande gekommen?

Das Projekt Schule 2020 beinhaltete verschiedene Phasen. Es wurden in einem ersten Schritt verschiedene Oberstufenmodelle entwickelt. Der Stadtrat hat dann eine Auswahl von fünf Modellen getroffen und verschiedene Anspruchsgruppen dazu vernehmen lassen. Die Rückmeldungen wurden ausgewertet. Wie im Vorfeld versprochen, hat der Stadtrat dann für die Detaillierung je ein Modell mit der Stiftung Schule St. Katharina (Modell B) und ein Modell mit ausschliesslicher Beschulung an den öffentlichen Oberstufen ausgewählt (Modell D). Für die Bewertung der beiden Modelle wurden zwei umfassende, auf grösstmögliche Objektivierbarkeit angelegte Nutzwertanalysen einerseits zum eigentlichen Oberstufenmodell und anderseits zur Schul- und Schulraumplanung vorgenommen. In den Prozess war auch die Stiftung Schule St. Katharina einbezogen. Die Zusammenarbeit war im ganzen Erarbeitungsprozess partnerschaftlich und von gegenseitiger Wertschätzung geprägt. Auf der Grundlage der detailliert erarbeiteten Modelle hat der Stadtrat eine Gesamtschau vorgenommen und die Vor- und Nachteile der beiden Modelle sorgfältig abgewogen. Beide bringen eine Verbesserung gegenüber heute. In der Endabwägung überwiegen jedoch die Vorteile von Modell D klar.

2. Welches sind die wichtigsten Vorteile von Modell D?

Modell D ist planungssicher, und die Schulraumplanung kann sofort an die Hand genommen werden. Zugleich ist Modell D insgesamt kostengünstiger als Modell B. Die Konzentration auf drei Oberstufenstandorte ermöglicht an allen drei Schulstandorten über die ganze Oberstufe die Führung von Parallelklassen. Dadurch werden eine breitere Palette an Wahlfächern und ergänzenden Angeboten sowie Synergieeffekte bei der Unterrichtsentwicklung und -gestaltung möglich. Das erweitert u.a. den Handlungs- und Gestaltungsraum der Lehrpersonen. Davon profitieren – und das ist das Wichtigste – die Schülerinnen und Schüler. Nicht ganz unerheblich ist auch die Volksschulkonformität, die mit dem Modell D vollumfänglich gewährleistet ist. Alle Mädchen und Knaben gehen gemeinsam in die Schule und die Beschulung erfolgt koedukativ wie gesetzlich gefordert.

3. Was ist an Modell D besser als an Modell B?

Es ist planungssicher und deutlich einfacher umsetzbar. Die Stadt Wil kann unabhängig von einer Drittpartei ihre Schulen weiterentwickeln und die Schul- und Schulraumplanung schrittweise bedarfsgerecht umsetzen. Sobald der Entscheid für das Modell D definitiv ist, kann die Planung unabhängig von der Frage erfolgen, welche Nachfrage nach geschlechtergetrennten Klassen besteht. Dieses erhebliche Marktrisiko, welches das Modell B mit sich brächte, wird komplett eliminiert. Die kurz- wie langfristige Schulraumplanung kann mit Modell D optimal angegangen werden. Beide Modelle stellen aus betrieblichen Gründen in jedem Fall eine Verbesserung zu heute dar. Die jetzige Oberstufenstruktur mit vier Schulstandorten entspricht gering besiedelten Gegebenheiten mit tiefen Schülerzahlen und geringem Synergiepotenzial. Eine Reduktion der Schuleinheiten auf maximal drei Oberstufen drängt sich dadurch grundsätzlich auf. Dies wurde auch bereits im Vorfeld zum Projekt Schule 2020 von der politischen Ebene formuliert. De facto führt die Schule St. Katharina bei Modell B mit der strikt geschlechtergetrennten Beschulungsform zwei kleine Oberstufeneinheiten. Es fehlt an Parallelklassen, um beispielsweise eine gemeinsame Unterrichtsentwicklung zu gestalten oder nach den Übertritten aus der 2. Sekundarklasse in das Gymnasium 3. Sekundarklassen zusammenlegen zu können. Die Anzahl Schülerinnen und Schüler in einzelnen Wahlfachangeboten liegt in der Tendenz am unteren Limit von acht Jugendlichen, und die Angebotsvielfalt ist deutlich eingeschränkt.

4. Der Stadtrat sagt, dass bei einem Entscheid für das Modell D teure «Providurien» nötig werden könnten. Wieso?

Da die Nachfrage für eine seedukative Beschulung nicht abschätzbar ist, ist ein Pilotbetrieb für Modell B über sechs Jahre vorgesehen. Insbesondere für die Knabenklassen der Schule St. Katharina muss Schulraum durch die Stadt zur Verfügung gestellt werden. Die Stiftung sieht keine Möglichkeit einer gemeinsamen Beschulung von Mädchen und Knaben unter demselben Dach. Auf dem Areal der Schule St. Katharina kann kein weiterer Schulraum erstellt werden. Damit würde im Pilotbetrieb die Erstellung von Provisorien nötig.

Weiter wird die Schulraumplanung bei Modell B verzögert. Im Pilotbetrieb muss sich zeigen, ob eine genügende Nachfrage für die seedukative Beschulung vorhanden ist. Erst in der Folge kann die definitive Schulraumplanung vorgenommen werden. Wenn Modell B nicht gelingt und auf Modell D umgeschwenkt werden muss, wird für die Oberstufe unmittelbar zusätzlicher Schulraum bereitgestellt werden müssen, da das Schulgebäude St. Katharina nicht mehr zur Verfügung stehen wird. Bei Modell D kann von Beginn weg eine gesicherte Schulraumplanung erfolgen. Die Anzahl der Provisorien kann auf einem Minimum gehalten werden.

5. Warum soll die Zusammenarbeit mit dem Kathi nicht weitergeführt werden?

Die Stiftung Schule St. Katharina war in den ganzen Erarbeitungsprozess einbezogen. Die Zusammenarbeit war stets partnerschaftlich und von gegenseitiger Wertschätzung geprägt. Der Stadtrat bedauert, dass der für Modell B notwendig gewesene neue Vertrag mit der Stiftung von dieser nicht getragen wird. Der Stiftungsrat hat den Vertragsentwurf nach langer gemeinsamer Ausarbeitungs- und Verhandlungsphase kurz vor dem Abschluss abgelehnt. Dies, nachdem das Modell B ursprünglich von der Stiftung selber eingebracht wurde und die von ihr definierte Zahl von 150 bis 180 Schülerinnen und Schülern und mindestens acht Klassen erfüllt ist. Der Stiftungsrat lehnt zudem die Regelungen ab, mit denen der Stadtrat die geschlechterdurchmischte Beschulung in den öffentlichen Schulen sicherstellen will. Der Stadtrat besteht darauf, dass der Anteil der Schule St. Katharina 25 Prozent der Gesamtzahl der Oberstufenschülerinnen und -schüler der Stadt nicht überschreiten darf und der Anteil eines Geschlechts in den Regelklassen der öffentlichen Oberstufen nicht weniger als 40 Prozent betragen darf. Zugleich ist das von der Stiftung errechnete Schulgeld pro Schülerin und Schüler im Vergleich zu den öffentlichen Schulen in Wil und im ganzen Kanton deutlich zu hoch.

6. Wie geht es weiter? Wie sehen die nächsten Schritte aus?

Jetzt liegt der Ball beim Stadtparlament. In den kommenden Monaten wird die vorberatende Kommission des Stadtparlaments die Vorlage besprechen. Es ist davon auszugehen, dass für diese Beratung mehrere Sitzungen benötigt werden. Der Stadtrat rechnet damit, dass das Parlament im Sommer 2019 über die Vorlage entscheiden wird. Gegen diesen Entscheid kann das Referendum ergriffen werden, sei dies durch das Stadtparlament oder das Volk. Wenn das der Fall ist, gibt es eine Volksabstimmung. Eine solche wäre dann wohl frühestens im Frühjahr 2020 möglich.

7. Wenn das Kathi nicht mehr im Angebot ist, gibt es dann in Wil noch genügend Schulraum für die Schülerinnen und Schüler?

Die Stadt Wil wird auch auf der Oberstufe aufgrund der ansteigenden Schülerzahlen den Schulraum ausbauen müssen. Mit Modell D konzentriert sich die Stadt Wil auf die drei bestehenden öffentlichen Oberstufenstandorte Lindenhof, Sonnenhof und Bronschhofen. Sie alle bleiben erhalten und werden bedarfsgerecht ausgebaut. Diese Planung kann umgehend und anhand gesicherter Daten erfolgen. Die Umsetzung ist zudem gestaffelt möglich. Dadurch, dass die Primarschulstandorte im Zentrum erhalten bleiben und ausgebaut werden, braucht es keinen zusätzlichen neuen Primarschulstandort. Bauliche Massnahmen an der Oberstufe Sonnenhof sind unabhängig von der Modellwahl notwendig.

8. Werden in Wil auch ohne Kathi weiterhin geschlechtergetrennte Klassen geführt?

Nein, es werden keine geschlechtergetrennten Klassen geführt. Die gemeinsame Beschulung von Mädchen und Knaben gehört zur Volksschule und soll zur Chancengerechtigkeit der Kinder beitragen. Gerade auf der Oberstufe ist es gut möglich, die Kinder sozial zu durchmischen, da längere Schulwege zugemutet werden können und Freundschaften ausserhalb des Quartiers unkompliziert und eigenständig gepflegt werden können. Die soziale Mischung ist eine Forderung, die von politischer Seite schon früher gemacht wurde und mit Modell D auch gelebt wird.

9. Mein Kind geht jetzt ins Kathi. Kann es die reguläre Schulzeit dort noch beenden?

Ja, der bestehende Zusammenarbeitsvertrag soll bis Ende Juli 2024 laufen. Damit kann der Übergang gut geplant werden. Das Stadtparlament hat zwar im Februar 2016 in einem Nachtrag zum Schulvertrag vom 30. Oktober 1996, der damals zwischen dem Kloster St. Katharina und der politischen Gemeinde Wil abgeschlossen worden war, festgehalten, dass der Vertrag automatisch auf Ende Juli 2023 als gekündigt gilt, wenn bis Ende Juli 2018 kein rechtsgültiger Vertrag vorliegt. Die Jungen Grünen Wil-Fürstenland reichten daraufhin eine Abstimmungsbeschwerde ein. Ein rechtsgültiger Vertrag lag Ende Juli 2018 nicht vor, und die Beschwerde ist noch hängig. Es ist nicht absehbar, wann der Rechtsstreit abgeschlossen ist. Um diesem Umstand Rechnung zu tragen und die Umsetzung der neuen Oberstufenstruktur der Stadt Wil auf den 1. August 2024 vornehmen zu können, soll der Parlamentsbeschluss auch die Kündigung des damals zwischen dem Kloster St. Katharina und der politischen Gemeinde Wil abgeschlossenen Vertrags auf Ende Juli 2024 umfassen.

10. Kann ich mein(e) Kind(er) auch nach dem Schuljahr 2023/24 noch ins Kathi schicken, wenn ich das möchte?

Das liegt in der Hand der Stiftung Schule St. Katharina, da es sich um eine Privatschule handelt.

11. Wie ist das nun mit den Verträgen? Wie lange läuft der aktuelle Schulvertrag zwischen der Stadt und dem Kathi? Wann soll er gekündigt werden?

Der bestehende Schulvertrag stammt vom 30. Oktober 1996. Das Stadtparlament hat im Februar 2016 einen Nachtrag dazu festgehalten, dass der Vertrag automatisch auf Ende Juli 2023 als gekündigt gilt, wenn bis Ende Juli 2018 kein rechtsgültiger Vertrag vorliegt. Die Jungen Grünen Wil-Fürstenland reichten daraufhin eine Abstimmungsbeschwerde ein. Ein rechtsgültiger Vertrag lag Ende Juli 2018 nicht vor, und die Beschwerde ist noch hängig. Es ist nicht absehbar, wann der Rechtsstreit abgeschlossen ist. Um für die Planung genügend Zeit zu haben, soll der Vertrag nun aber neu auf Ende Juli 2024 aufgelöst werden. Um diesem Umstand Rechnung zu tragen und die neue Oberstufenstruktur auf den 1. August 2024 umsetzen zu können, soll der Parlamentsbeschluss auch die Kündigung des damals zwischen dem Kloster St. Katharina und der politischen Gemeinde Wil abgeschlossenen Vertrags auf Ende Juli 2024 umfassen.

12. Wieso soll die über 200 Jahre alte, bewährte Zusammenarbeit zwischen der Schule St. Katharina und der Stadt nicht mehr weitergeführt werden?

Die Schule St. Katharina erfüllt ihren Auftrag in der Tat seit über 200 Jahren auf gutem Niveau. Der Stadtrat hat die Wertschätzung dafür auch immer wieder zum Ausdruck gebracht. Der Ursprung dieser Schule ist darin begründet, dass die Mädchen damals in der Bildung benachteiligt waren. Das Kloster hatte deshalb die Schule gegründet. Die Zeiten haben sich aber in der Zwischenzeit stark verändert, und Mädchen haben heute dieselben Bildungsmöglichkeiten wie die Knaben.

Neue Entwicklungen bringen stets neue Herausforderungen, diese fordern immer wieder neu angepasste pädagogische Konzepte. Dabei ist die Stadt von Gesetzes wegen dem Volksschulgedanken und damit der geschlechtergemischten Beschulung verpflichtet.

Damit die Volksschule diese Herausforderungen der Zukunft meistern kann, ist es wichtig, die Kompetenzen und Verantwortlichkeiten in einer Hand zu halten. Die Stadt muss die Volksschule unabhängig von Drittparteien weiterentwickeln können. Die Kinder werden gemeinsam, das heisst unabhängig von Geschlecht, Nationalität, Sprache, sozialem Status etc. auf den Beruf und das Leben nach der Schule vorbereitet. Die Volksschule ist jener Ort, an dem das Zusammenleben in seiner Vielfalt erlebt und geübt werden kann. Das alles spricht für Modell D.