Jahresrechnung 2025 schliesst mit einem Defizit von 2,3 Millionen Franken – struktureller Handlungsbedarf bleibt bestehen

Die Erfolgsrechnung der Stadt Wil schliesst mit einem Aufwandüberschuss von 2,3 Millionen Franken ab. Budgetiert war ein Defizit von 4,8 Millionen Franken. Hauptgründe für das bessere Ergebnis sind ausserordentlich hohe Buchgewinne sowie eine überdurchschnittliche Gewinnablieferung der Technischen Betriebe Wil (TBW). Die finanzielle Situation der Stadt bleibt jedoch angespannt. Der Stadtrat hält am Ziel fest, den Haushalt mittelfristig wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Um die bewilligten Aufgaben finanzieren zu können, erachtet er eine Erhöhung des Steuerfusses weiterhin als unausweichlich. Die Technischen Betriebe Wil (TBW) erzielten einen Gewinn vor Abgaben von 10,6 Millionen Franken.

23. März 2026

Trotz besserem Ergebnis als erwartet bleibt die finanzielle Entwicklung angespannt. Das betriebliche Defizit fällt 2,7 Millionen Franken schlechter aus als budgetiert und beträgt 21 Millionen Franken. Hauptgrund sind tiefere Fiskalerträge: Die Gewinn- und Kapitalsteuern der Unternehmen liegen 3,1 Millionen Franken unter den Erwartungen. Auch die Steuernachzahlungen bei den natürlichen Personen fallen rund 2 Millionen Franken tiefer aus. Die Steuerkraft je Einwohnerin und Einwohner reduziert sich auf Fr. 2'971.--.

Einmaleffekte verbessern das Jahresergebnis

Das Jahresergebnis fällt aufgrund von Einmaleffekten deutlich besser aus als budgetiert. Die Buchgewinne auf dem Finanzvermögen belaufen sich auf 6,7 Millionen Franken und sind damit doppelt so hoch ausgefallen wie budgetiert. Sie entstehen aus höheren Bewertungen von Liegenschaften und Grundstücken im Finanzvermögen der Stadt. Zudem leisten die Technischen Betriebe Wil (TBW) eine ausserordentlich hohe Abgabe an die Stadt. Insgesamt fliessen 11,4 Millionen Franken an den Steuerhaushalt. Gegenüber dem Vorjahr steigen die Abgaben um 5,1 Millionen Franken an. Dank diesem Einmaleffekt fällt das Defizit der Stadt deutlich tiefer aus als erwartet.

Unterschiedliche Entwicklungen bei den Ausgaben

Auf der Aufwandseite zeigen sich unterschiedliche Entwicklungen. Höher fallen insbesondere die Ausgaben für die Unterbringung in Heimen sowie für die ambulante Krankenpflege aus. Zusätzlich belasten Rückstellungen für Sanierungsverpflichtungen der Schiessanlage Thurau die Rechnung. Demgegenüber fallen die Lohnkosten für das Verwaltungs- und das Lehrpersonal tiefer aus, ebenso die Aufwände für Dienstleistungen Dritter sowie die Nettoaufwände im Asylwesen.


Hohe Investitionsausgaben lassen Verschuldung steigen

Die Nettoinvestitionen belaufen sich auf 17,2 Millionen Franken. Der Selbstfinanzierungsgrad beträgt 62 Prozent. Die getätigten Investitionen sind damit zu 38 Prozent fremdfinanziert. Die Nettoschulden steigen um 6,6 Millionen Franken auf 43,1 Millionen Franken. Der Anstieg ist auf die Investitionstätigkeit und das Defizit in der Erfolgsrechnung zurückzuführen. Die Nettoschuld pro Einwohnerin und Einwohner steigt an und beträgt neu 1'698 Franken (Vorjahr 1'459).

Eigenkapital nimmt weiter ab

Das zweckfreie Eigenkapital reduziert sich um den Aufwandüberschuss auf 79,1 Millionen Franken. Dies entspricht noch 22 Prozent der Bilanzsumme (Vorjahr 24 Prozent). In den vergangenen Jahren konnten Buchgewinne auf Liegenschaften sowie die TBW-Abgaben die Defizite teilweise abfedern. Diese buchhalterischen Effekte verbessern jedoch nicht den Geldfluss und schaffen keine zusätzlichen finanziellen Reserven. Gleichzeitig steigt die Abhängigkeit vom Fremdkapital.

Hoher Finanzierungsbedarf

Die Geldflussrechnung weist einen negativen Cash Flow von 17.1 Millionen Franken aus. Dies entspricht den getätigten Nettoinvestitionen. Entsprechend hoch ist der Finanzierungsbedarf der Stadt. Die verzinslichen Darlehen steigen auf 150 Millionen Franken. Die Zunahme gegenüber dem Vorjahr beläuft sich erneut auf hohe 20 Millionen Franken.

Höherer Steuerfuss notwendig

In den kommenden Jahren stehen bedeutende Investitionen in die Verkehrs- und Schulinfrastruktur an. Um diese Investitionen finanzieren und den Haushalt mittelfristig ausgleichen zu können, reicht der heutige Steuerfuss von 115 Prozent nicht aus. Da die aktuellen Steuereinnahmen die betrieblichen Aufwendungen nicht decken, werden die bewilligten Ausgaben teilweise mit zusätzlichen Schulden finanziert. Die daraus resultierende Verschuldung geht zu Lasten zukünftiger Steuerzahlerinnen und Steuerzahlen. Zudem vermindern sich dadurch die Bonität der Stadt sowie die Realisierungschancen der anstehenden Investitionen.

TBW mit Ergebnis über Budget

Der Jahresabschluss der TBW für das Jahr 2025 fällt positiv aus und liegt über Budget. Bei einem Umsatz von 102,9 Millionen Franken resultierte nach Abgaben an die Stadt Wil (7,3 Millionen Franken) ein Unternehmenserfolg von 3,3 Millionen Franken. Damit übertrifft das Ergebnis das Budget um 0,8 Millionen Franken.

Der Gasabsatz erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr leicht (+1,1%). Gleichzeitig konnte der Anteil Biogas weiter gesteigert werden (+2,4%). In der Wärmeversorgung blieb der Absatz insgesamt unter den Erwartungen. Das kalte Jahresende führte jedoch zu einer erhöhten Nachfrage, wodurch der Minderabsatz gegenüber Budget reduziert werden konnte. Im Zusammenhang mit dem Projekt Fernwärmeverbund Wil wurde im Jahr 2025 noch kein regulärer Wärmeabsatz erzielt. Im Strombereich konnte das budgetierte Ertragsniveau aufgrund tieferer Absatzmengen sowie tieferer Preise nicht vollständig erreicht werden. Dennoch konnte das Rechnungsergebnis gegenüber dem Vorjahr gesteigert werden.

Die weiterhin volatile Marktsituation und der starke Wettbewerb im Telekommunikationsmarkt stellen die Kundengewinnung vor Herausforderungen. Wie erwartet ging die Anzahl der Verträge bei TV-Grundanschlüssen, Internet und Festnetztelefonie zurück, während die Mobil- und IPTV-Angebote Zuwächse erzielten.