Wie bewegt sich Wil in Zukunft?

Das neue Gesamtverkehrskonzept zeigt den Weg.

Wil wächst – und mit der Stadt wachsen auch die Anforderungen an den Verkehr. Mehr Menschen, neue Entwicklungen in den Quartieren, der Bahnhof als wichtige Drehscheibe und grosse Projekte wie WILWEST machen es notwendig, den Verkehr frühzeitig und gesamthaft zu denken. Genau dafür wurde das neue Gesamtverkehrskonzept (GVK) erarbeitet und vom Stadtrat am 31. März 2026 genehmigt. Es bildet die strategische Grundlage dafür, wie sich der Verkehr in Wil in den nächsten Jahren weiterentwickeln soll – abgestimmt auf die Ortsplanungsrevision und den künftigen Richtplan Verkehr.

Das GVK schaut nicht nur auf Autos, Busse oder Velos einzeln, sondern auf das ganze Verkehrssystem. Es fasst bestehende Strategien zusammen und beantwortet zentrale Fragen: Wie bleibt Wil gut erreichbar? Wo braucht es sicherere Wege für Fussgängerinnen und Fussgänger? Wie kann der öffentliche Verkehr zuverlässiger werden? Und wie kann die Stadt so wachsen, dass die Lebensqualität erhalten bleibt? Dabei ist wichtig: Das GVK selber legt noch keine verbindlichen Einzelmassnahmen fest. Es zeigt die Richtung auf und dient als fachliche Grundlage für die nächsten politischen und planerischen Schritte.

Die Analyse zeigt deutlich, weshalb dieses Konzept wichtig ist. Die Bevölkerung in Wil ist in den letzten Jahrzehnten stark gewachsen – von 16’997 Einwohnerinnen und Einwohnern im Jahr 1972 auf 24’795 im Jahr 2024. Gleichzeitig bestätigt die Pendlerstatistik die Rolle von Wil als regionales Zentrum: Es pendeln mehr Menschen nach Wil ein als aus Wil aus. Beim Mobilitätsverhalten zeigt sich zudem, dass der motorisierte Individualverkehr weiterhin einen hohen Anteil hat; für 2021 wird im Bericht ein MIV-Anteil (motorisierten Individualverkehr) von 72,5% genannt. Hinzu kommt das Thema Sicherheit: In Wil ereignen sich pro Jahr rund 40 Verkehrsunfälle mit Personenschaden, wobei der Schwanenkreisel als Unfallhäufungspunkt besonders auffällt.

Aus diesen Erkenntnissen leitet das GVK klare Schwerpunkte ab. Künftig sollen vor allem der Fuss- und Veloverkehr gestärkt, Netzlücken geschlossen und wichtige Quartiere besser miteinander verbunden werden. Auch der öffentliche Verkehr soll zuverlässiger werden – insbesondere durch stabilere Fahrpläne und eine bessere Priorisierung des Busverkehrs. Der Bahnhof Wil soll als zentrale Verkehrsdrehscheibe weiterentwickelt werden. Gleichzeitig geht es auch um die Qualität des öffentlichen Raums: Strassen sollen nicht nur Verkehrsachsen sein, sondern auch Lebensräume. Ergänzt wird dies durch zukunftsorientierte Themen wie Elektromobilität, geteilte Mobilität, Mobilitätsmanagement und intelligente Logistiklösungen.

Ein besonderer Fokus liegt auch auf dem Stadtzentrum. Dort wurden verschiedene Ansätze geprüft, um den Verkehr besser zu organisieren und die Situation für Bus, Fuss- und Veloverkehr zu verbessern. Zudem spielt WILWEST für Wil eine wichtige Rolle: Der geplante neue Autobahnanschluss und weitere Infrastrukturvorhaben können das Stadtzentrum künftig vom Durchgangsverkehr entlasten und neue Chancen für die Aufwertung von Strassenräumen schaffen. Gleichzeitig bleibt klar: Solche übergeordneten Entwicklungen brauchen Zeit. Für die im GVK mitgedachten Netzergänzungen wird mit einer Inbetriebnahme frühestens in rund zehn Jahren gerechnet.

Die Arbeiten begannen im Mai 2023. Begleitet wurde der Prozess von Fachgremien, dem Stadtrat und einer Begleitgruppe mit Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Interessengruppen. Insgesamt fanden fünf Sitzungen mit dem Fachausschuss und drei Sitzungen mit der Begleitgruppe statt. In diesen Diskussionen wurden Themen wie sichere Schulwege, die Qualität der Bushaltestellen, die Situation im Zentrum, die Trennung der Verkehrsarten und die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum intensiv eingebracht. Rückmeldungen aus diesen Mitwirkungen flossen in die Weiterentwicklung des Konzepts ein. An einem Workshop im Abschlussprozess waren gemäss Bericht knapp 20 Organisationen vertreten.

Das Gesamtverkehrskonzept ist der fachliche Unterbau. Im nächsten Schritt werden seine Inhalte in den kommunalen Richtplan Verkehr überführt. Dort wird konkret festgelegt, welche Themen priorisiert werden, welche Zuständigkeiten gelten und welche Inhalte später verbindlich weiterverfolgt werden. Der Bericht hält fest, dass der Richtplan Verkehr auf Grundlage des GVK im Jahr 2026 erarbeitet wird; in den begleitenden Unterlagen wird zudem eine öffentliche Mitwirkung zum Richtplan Verkehr für März 2027 in Aussicht gestellt. Das bedeutet: Mit dem Schlussbericht ist die Arbeit nicht abgeschlossen – vielmehr beginnt nun die nächste wichtige Etappe für die verkehrliche Zukunft von Wil.