Ortsplanungskonferenzen

Wil plant die Zukunft – aber nicht im stillen Kämmerlein

Wie soll Wil in Zukunft aussehen? Wo entstehen neue Wohnungen? Wo braucht es Raum für Gewerbe, Grünflächen, Begegnungsorte oder bessere Verkehrsverbindungen? Und wie schaffen wir es, dass sich Wohnen, Arbeiten, Verkehr, Freiraum und Stadtleben sinnvoll ergänzen?

Solche Fragen lassen sich nicht mit einem Lineal auf dem Stadtplan beantworten. Sie betreffen den Alltag der Bevölkerung, die Entwicklung der Quartiere, die Erreichbarkeit der Innenstadt, die Zukunft des Gewerbes und die Qualität des öffentlichen Raums. Genau deshalb setzt die Stadt Wil im Rahmen der Ortsplanungsrevision auf den Austausch: mit den sogenannten Ortsplanungskonferenzen.


Was sind Ortsplanungskonferenzen?

Die Ortsplanungskonferenzen sind ein Diskussions- und Austauschgefäss im laufenden Ortsplanungsprozess. Sie bauen auf den bisherigen Strategiekonferenzen auf und führen den Dialog weiter. An diesen Konferenzen werden aktuelle Arbeiten vorgestellt, diskutiert und gemeinsam beurteilt. Im Zentrum stehen unter anderem die Zonenplanung, das Baureglement, der Richtplan Verkehr sowie die Abstimmung von Siedlungsentwicklung und Verkehr.

Dabei geht es nicht darum, fertige Lösungen zu präsentieren und abzunicken. Vielmehr sollen zentrale Fragen frühzeitig diskutiert werden: Was ist nachvollziehbar? Wo bestehen Zielkonflikte? Welche Punkte müssen noch vertieft werden? Welche Sichtweisen aus Politik, Wirtschaft, Organisationen und Praxis sind für die weitere Bearbeitung wichtig?

Warum macht die Stadt das?

Ortsplanung ist mehr als ein technisches Verfahren. Sie legt die Grundlage dafür, wie sich Wil in den nächsten Jahren räumlich entwickeln kann. Der Zonenplan zeigt, wo welche Nutzungen möglich sind. Das Baureglement legt Spielregeln für das Bauen fest. Der Richtplan Verkehr zeigt, wie Mobilität und Siedlungsentwicklung aufeinander abgestimmt werden sollen.

Diese Grundlagen betreffen am Ende konkrete Fragen: Wie dicht darf gebaut werden? Wo braucht es Grün- und Freiräume? Wie bleiben Quartiere lebenswert? Wie wird der Verkehr organisiert? Wo braucht es bessere Verbindungen für Fuss- und Veloverkehr, den öffentlichen oder den motorisierten Verkehr?

Die Ortsplanungskonferenzen helfen, solche Fragen nicht erst am Ende des Prozesses zu diskutieren, sondern bereits dann, wenn die Planungen noch weiterbearbeitet werden können. Sie schaffen damit Transparenz, ermöglichen eine breitere fachliche und politische Einordnung und tragen dazu bei, dass die weiteren Arbeiten auf einer soliden Grundlage erfolgen.

Wichtig ist aber auch: Die Ortsplanungskonferenzen ersetzen kein formelles Verfahren. Sie haben keinen rechtlichen Entscheidungsstatus, und es werden dort keine verbindlichen Beschlüsse gefasst. Die formellen Planungsverfahren und die öffentliche Mitwirkung folgen später auf Grundlage der weiterbearbeiteten Unterlagen.

Wo steht die Ortsplanung aktuell?

Die Stadt Wil hat in den letzten Monaten wichtige Grundlagen erarbeitet. Nach drei Strategiekonferenzen wurde der Richtplan Siedlung und Grün-/Freiraum vom Stadtrat am 31. März 2026 genehmigt. Dieser liegt nun beim Kanton zur Vorprüfung. Nun folgt der nächste Schritt: Im Rahmen der Erarbeitung des Zonenplanes und des Baureglementes sowie des Richtplans Verkehr werden in diesem Jahr an zwei Ortsplanungskonferenzen (29. Mai und 6. November 2026) verschiedene Themen vorgestellt, die mit den eingeladenen Teilnehmenden diskutiert.

Wer nimmt teil?

Eingeladen sind Vertreterinnen und Vertreter aus Gewerbe, Industrie, Organisationen und Politik sowie Personen, die sich bereits an den bisherigen Strategiekonferenzen oder an Workshops zum Gesamtverkehrskonzept beteiligt haben. Es werden voraussichtlich wiederum rund 70-80 Teilnehmende pro Veranstaltung erwartet.

Was passiert am 29. Mai 2026?

Am Vormittag steht die Bau- und Zonenplanung mit dem Baureglement im Zentrum. Dabei geht es um Themen, die das künftige Bild der Stadt konkret prägen: Wie kann die angestrebte Entwicklung aus dem Stadtentwicklungskonzept und dem Richtplan Siedlung in den Zonenplan und in das Baureglement übersetzt werden? Diskutiert werden insbesondere Fragen zur Nutzung, zur Wohnbaupolitik, zur baulichen Dichte sowie zu den Kernzonen.

Ein weiterer Schwerpunkt am Vormittag betrifft die Frei- und Grünelemente. Hier geht es darum, wie die Aussagen aus dem Stadtentwicklungskonzept und dem Richtplan Siedlung sowie Grün-/Freiraum konkret in die baurechtlichen Regelungen einfliessen können. Themen sind unter anderem Grünflächen, Grünflächenziffern, Aussenraumgestaltung und der Umgang mit Bäumen im Zonenplan. Damit geht es letztlich um die Frage, wie Wil auch bei baulicher Entwicklung grün, klimaangepasst und lebenswert bleiben kann.

Ebenfalls Teil der Diskussion ist die Stadtraumgestaltung. Dabei stehen vor allem wichtige Strassenräume mit verschiedenen Nutzungsansprüchen im Fokus. Es geht nicht um einzelne Tempofragen oder konkrete Verkehrsführungen, sondern um die räumliche Sicherung und Gestaltung von Strassenräumen: Wo braucht es künftig mehr Aufenthaltsqualität? Wo sind besondere Regelungen sinnvoll? Und welche Räume sollen prioritär weiterentwickelt werden?

Am Nachmittag folgt der Richtplan Verkehr. Hier wird der Blick auf die Mobilität in Wil gerichtet. Im Zentrum stehen insbesondere die Frage, wie Verkehrsmittel bei Zielkonflikten priorisiert werden sollen, wie die Verkehrsführung im Zentrum weitergedacht werden kann und welche Rolle die öffentliche Parkierung künftig spielt. Damit wird deutlich: Siedlungsentwicklung und Verkehr werden nicht getrennt betrachtet. Wer festlegt, wo künftig gewohnt, gearbeitet und gebaut wird, muss gleichzeitig klären, wie diese Orte erreichbar bleiben – für Fussgängerinnen und Fussgänger, Velofahrende, den öffentlichen Verkehr, den motorisierten Verkehr und den Wirtschaftsverkehr.

Gemeinsam weiterdenken

Die Ortsplanungskonferenzen zeigen: Die Zukunft von Wil entsteht nicht in einem einzigen Plan und nicht an einem einzigen Sitzungstisch. Sie entsteht Schritt für Schritt – durch fachliche Grundlagen, politische Diskussionen, Rückmeldungen aus der Praxis und den Blick auf das grosse Ganze.