Steckbrief Jeanne Bodenmann

Strassen sind mehr als Verkehrsflächen

Schon als Kind haben mich Strassen fasziniert. Damals zeichnete ich mit Kreide Strassen rund um unser Haus. Später wurde daraus ein Studium an der Hochschule Rapperswil, wo ich den Bachelor in Raumplanung absolvierte. Die Faszination ist geblieben – nur die Kreide wurde durch Pläne, Konzepte und viele Gespräche ersetzt.

Heute beschäftige ich mich beruflich damit, wie der öffentliche Raum für möglichst viele Menschen gut funktionieren kann. Dabei geht es nicht nur um Autos, Busse, Velos oder Fussgängerinnen und Fussgänger, sondern um das Zusammenspiel aller Nutzerinnen und Nutzer. Denn wir bewegen uns täglich durch die Stadt – auf dem Weg zur Arbeit, zum Einkaufen, zur Schule oder einfach nach Hause. Genau diese unterschiedlichen Bedürfnisse machen Verkehrsplanung spannend – und anspruchsvoll.

Wil ist für mich nicht irgendeine beliebige Stadt. Ich bin in der Nähe aufgewachsen und ging hier zur Kantonsschule. Wil war deshalb schon immer ein Stück weit «meine Stadt». Umso mehr freut es mich, heute daran mitarbeiten zu dürfen, dass sie sich gut weiterentwickeln kann.

Ein funktionierendes, möglichst lückenloses Verkehrsnetz ist wichtig. Doch der Strassenraum ist mehr als eine Verbindung von A nach B – er ist auch Lebensraum. Er soll nicht nur praktisch, sondern auch sicher, angenehm und attraktiv sein – für Menschen, Tiere und Umwelt.

Mit Blick auf Klima, Gesundheit und Lebensqualität stellt sich die Frage, wie Strassenräume künftig gestaltet werden sollen: Wo braucht es mehr Schatten, sichere Querungen, bessere Veloverbindungen oder Orte mit Aufenthaltsqualität? Und wie können verschiedene Verkehrsteilnehmende mit mehr Rücksicht füreinander unterwegs sein?

Das Ziel ist, dass Strassen nicht nur funktionieren, sondern zum Wohlbefinden beitragen. Oder einfach gesagt: Wie wäre es, wenn wir in Wil gut gelaunt ankommen, weil bereits der Weg dorthin angenehm war?