Im Rahmen der Ortsplanungsrevision beschäftigen wir uns intensiv mit der Frage, wie sich Wil in den nächsten Jahren und Jahrzehnten entwickeln soll. Es geht also um Themen, die nicht nur Erwachsene betreffen, sondern auch Kinder und Jugendliche.
Das Departement Bau, Umwelt und Verkehr hat sich deshalb in einem Workshop vertieft mit der Frage auseinandergesetzt, wie Kinder und Jugendliche in Planungsprozesse sinnvoll einbezogen werden können. Dieser Workshop war Teil des Prozesses zur Erarbeitung eines Leitfadens, der künftig dabei helfen soll, Mitwirkungsprozesse für Kinder und Jugendliche frühzeitig, zielgruppengerecht und wirksam aufzugleisen – von der Wahl der richtigen Zielgruppe über geeignete Methoden bis hin zur Frage, wie die Ergebnisse ausgewertet und in konkrete Massnahmen übersetzt werden können.
Für mich hat sich im Workshop erneut gezeigt: Wenn wir Kinder und Jugendliche ernsthaft einbeziehen wollen, können wir nicht einfach die gleichen Beteiligungsformate verwenden wie bei Erwachsenen. Eine frühzeitige Einladung zu einer klassischen Informationsveranstaltung genügt nicht. Jugendliche entscheiden oft spontaner. Sie lassen sich weniger über lange Planungshorizonte erreichen, sondern eher über konkrete Fragen, über Orte, die sie kennen, und über Formate, die direkt etwas mit ihrem Alltag zu tun haben.
Eine zentrale Erkenntnis ist deshalb: Beteiligung von Jugendlichen muss näher an ihre Lebenswelt heranrücken. Es braucht niederschwellige Formate, direkte Ansprache, einfache Sprache und vor allem einen erkennbaren Mehrwert. Wer Jugendliche fragt, wie ihre Stadt in 15 oder 20 Jahren aussehen soll, muss diese langfristige Perspektive übersetzen: Was bedeutet das für den Schulweg? Für den Treffpunkt im Quartier? Für den Platz, auf dem man sich heute aufhält? Für den Ort, an dem man sich sicher oder eben nicht sicher fühlt?
Gleichzeitig wurde deutlich, dass kurzfristige und sichtbare Massnahmen eine grosse Bedeutung haben. Wenn Jugendliche ihre Zeit und ihre Ideen einbringen, möchten sie nicht nur hören, dass ihre Anliegen irgendwann in einen Planungsprozess einfliessen. Sie müssen auch sehen können, dass etwas passiert. Das kann eine kleine Sofortmassnahme sein, eine provisorische Gestaltung, ein Test, eine Aktion vor Ort oder eine sichtbare Rückmeldung: Was haben wir gehört? Was nehmen wir auf? Was können wir kurzfristig umsetzen? Und was braucht mehr Zeit?
Aus meiner Sicht liegt der Schlüssel deshalb nicht in einem einzigen perfekten Zeitpunkt, sondern in einer klugen Abfolge. Kinder und Jugendliche sollen früh gehört werden, wenn es um Bedürfnisse, Alltagsräume und Grundhaltungen geht. Später sollen sie nochmals einbezogen werden, wenn konkrete Entwürfe, Räume oder Massnahmen sichtbar werden. Und dazwischen braucht es Rückmeldungen, kleine Umsetzungen und Aktionen, damit der Prozess nicht abstrakt bleibt.