Abstimmung vom 27. September 2026: drei Varianten für den Wiler Steuerfuss 2026

Die Stimmberechtigten der Stadt Wil entscheiden am 27. September 2026 an der Urne über den Steuerfuss für das Jahr 2026. Zur Abstimmung stehen drei Varianten: 115, 118 und 121 Prozent. Der Stadtrat empfiehlt 121 Prozent, das Stadtparlament mehrheitlich 118 Prozent. Unabhängig vom Abstimmungsergebnis bleibt die finanzielle Lage der Stadt angespannt; weitere Massnahmen zur Stabilisierung des Haushalts werden notwendig sein.

24. August 2026

Im Dezember 2025 beriet das Stadtparlament das Budget 2026. Der Stadtrat beantragte eine Erhöhung des Steuerfusses von heute 115 auf 121 Prozent. Das Parlament beschloss mit 27 zu 12 Stimmen einen Steuerfuss von 118 Prozent. Gegen diesen Beschluss wurden im Parlament zwei Ratsreferenden ergriffen: Die SVP-Fraktion forderte das Beibehalten von 115 Prozent, ein weiteres Parlamentsmitglied forderte den ursprünglich vom Stadtrat beantragten Steuerfuss von 121 Prozent. Beide Referenden erreichten das nötige Quorum von 14 Stimmen und wurden einander gegenübergestellt. Dabei obsiegte das Ratsreferendum für 121 Prozent. Nach einer Beschwerde beim kantonalen Departement des Innern gegen dieses Verfahren ordnete der Kanton eine Abstimmung über alle Varianten 115, 118 und 121 Prozent an.

Angespannte Finanzlage und steigende Verschuldung

Die Finanzlage der Stadt Wil ist stark angespannt. Die Jahresrechnungen 2024 und 2025 schlossen mit Defiziten von 6.3 Millionen respektive 2.3 Millionen Franken ab. Auch für das laufende Jahr 2026 und die folgenden Jahre rechnet die Stadt mit strukturellen Defiziten.

Da die Stadt über keine ausreichenden finanziellen Reserven verfügt, müssen Defizite sowie anstehende Grossprojekte über Kredite finanziert werden. Allein für das Jahr 2026 benötigt der Stadthaushalt zusätzliche Darlehen von 20 Millionen Franken. Die Investitionen betragen für das Jahr 2026 über 28 Millionen Franken Ab dem Jahr 2027 will der Stadtrat die Investitionsausgaben bei durchschnittlich 25 Millionen Franken pro Jahr plafonieren.

Das budgetierte Defizit der Erfolgsrechnung 2026 hängt direkt vom Abstimmungsergebnis ab:

  • bei 115 Prozent: Defizit von 8.2 Millionen Franken (höchste Neuverschuldung, grösstes Defizit)
  • bei 118 Prozent: Defizit von 6.3 Millionen Franken (vom Parlament beschlossener Kompromiss, 2 Millionen Franken Mindereinnahmen gegenüber der Stadtratsvariante von 121 Prozent)
  • bei 121 Prozent: Defizit von 4.4 Millionen Franken (vom Stadtrat beantragte Variante, geringstes Defizit, tiefste Verschuldung)

Die Aufstellung zeigt: Auch bei einem Steuerfuss von 121 Prozent verbleibt im Budget 2026 ein erhebliches Defizit. Ein vollständig ausgeglichenes Ergebnis wäre rechnerisch erst ab einem Steuerfuss von 128 Prozent möglich. Die Steuerfussfrage ist deshalb ein wichtiger Bestandteil der Haushaltsstabilisierung, ersetzt aber weitere Entlastungsmassnahmen nicht.

Bereits umgesetzte und weitere Entlastungsmassnahmen

Im Vorfeld des Budgets 2026 wurden über 30 Entlastungsmassnahmen mit einer wiederkehrenden Wirkung von 3 Millionen Franken umgesetzt. Dennoch bleibt der finanzielle Handlungsbedarf hoch. Neben einnahmeseitigen Massnahmen müssen deshalb weitere Ausgaben und Leistungen sowie Standards überprüft werden.

Postulat der GPK fordert ausgeglichenes Budget bis 2030

Das Stadtparlament hat an seiner Sitzung vom 3. Juli 2026 ein Postulat der Geschäftsprüfungskommission zur Beseitigung des strukturellen Defizites überwiesen. Der Stadtrat unterstützt das Ziel, bis 2030 ein ausgeglichenes Budget zu erreichen. Die Diskussion über den Abbau von Leistungen wird damit unabhängig vom Abstimmungsergebnis weitergeführt.

Der Stadtrat betont, dass Steuerfussanpassungen und Sparmassnahmen Hand in Hand gehen müssen, und wird dem Parlament entsprechende Schritte vorschlagen. Im Rahmen der weiteren Haushaltsüberprüfung werden gesetzlich nicht gebundene Leistungen sowie Standards, Beiträge und Angebotsumfänge weiter überprüft. Auch gebundene Aufgabenbereiche werden hinsichtlich Effizienz und finanziellem Handlungsspielraum analysiert. Je tiefer der Steuerfuss an der Urne festgelegt wird, desto grösser wird der zusätzliche Entlastungs- und Sparbedarf sein.

Haltungen von Stadtrat und Stadtparlament

Der Stadtrat empfiehlt den Stimmberechtigten einen Steuerfuss von 121 Prozent. Aus seiner Sicht leistet diese Variante den grössten Beitrag, um der drohenden Verschuldung wirksam zu begegnen und die Handlungsfähigkeit der Stadt zu erhalten. Auch bei einem Steuerfuss von 121 Prozent läge Wil gemäss den aktuellen regionalen Vergleichswerten weiterhin im mittleren Bereich, auch aufgrund von Steuerfussreduktionen in den vergangenen Jahren.

Das Stadtparlament empfiehlt mehrheitlich einen Steuerfuss von 118 Prozent. Diese Variante entspricht dem vom Parlament im Dezember 2025 beschlossenen Kompromiss.



Zur Veranschaulichung sind nachfolgend die grössten Mehrbelastungen zwischen der Rechnung 2023 und dem Budget 2026 aufgeführt:

  • Rückgang Gewinn- und Kapitalsteuern um 4.5 Mio. Franken
  • Anstieg Abschreibungen um 3.5 Mio. Franken
  • Anstieg Gesundheitsausgaben um 1.3 Mio. Franken
  • Anstieg Sonderpädagogische Massnahmen um 1.2 Mio. Franken
  • Anstieg Zinskosten um 0.8 Mio. Franken
  • Anstieg Kosten Tagesstrukturen um 0.8 Mio. Franken

Diese Mehrbelastungen summieren sich auf 12 Mio. Franken.

Die Steuereinnahmen der natürlichen Personen sind in diesem Zeitraum um 1.3 Mio. Franken angestiegen. Die Differenz führt zur Schieflage des Haushalts und veranschaulicht, weshalb nebst den ausgabenseitigen Massnahmen auch einnahmeseitige Verbesserungen, wie die Steuerfusserhöhung, zwingend notwendig sind.