17. September 2026
Seit mehreren Jahren verbindet die Stadt Wil eine Städtepartnerschaft mit Dobrzen Wielki in Polen. Die Partnerschaft lebt insbesondere vom persönlichen Austausch zwischen den Menschen. Dafür finden alle zwei Jahre Besuche statt. So weilte 2024 eine Gruppe von Wilerinnen und Wilern in der polnischen Partnerstadt. In der vergangenen Woche kam es nun zum Gegenbesuch: Von Donnerstag bis Sonntag war eine Delegation aus Dobrzen Wielki zu Gast in Wil. Angeführt wurde die gut 30-köpfige Gruppe von Gemeindevorsteher Piotr Szlapa. Die Gäste waren während ihres Aufenthalts bei privaten Gastgeberinnen und Gastgebern untergebracht.
Einblicke in Wiler Infrastruktur
Der Besuch bot den Gästen unter anderem die Möglichkeit, verschiedene Bereiche des Wiler Alltags und der städtischen Infrastruktur kennenzulernen: Bei den Technischen Betrieben Wil erhielten sie Einblicke in Themen rund um Energie und Stromversorgung. Nach einer Einführung durch Stadtrat Lukas Reimann wurden unter anderem das Solar-Contracting und die Solar Community vorgestellt. Bei einer Führung in ein Wasserreservoir und in die TBW-Steuerungszentrale konnten die Gäste anschliessend zudem verschiedene Anlagen der Wasserversorgung besichtigen.
Schule als Ort gelebter Demokratie
Am Freitagnachmittag stand die Oberstufe Sonnenhof im Mittelpunkt. Nach einer Einführung durch Stadtrat Jigme Shitsetsang und Schulleiter Cäsar Camenzind konnten die Gäste verschiedene Unterrichtslektionen besuchen – vom Makerspace über Deutsch und Räume-Zeiten-Gesellschaft bis zum Sport. Besonders interessiert zeigte sich die polnische Delegation am Schülerrat und am Schülerparlament. Der Besuch bot damit auch einen Einblick in einen Aspekt des Schweizer Schulalltags, der über den eigentlichen Unterricht in den Schulfächern hinausgeht: Schülerinnen und Schüler erleben demokratische Prozesse ganz praxisnah, bringen ihre Anliegen ein und übernehmen Verantwortung.
Am Abend lernten die Besucherinnen und Besucher beim Wiler «Steckliträge» einen traditionsreichen Brauch kennen, der sich bis mindestens 1665 zurückverfolgen lässt und seinen Ursprung im Schützenwesen hat. Gespannt verfolgten sie in der Altstadt den Anlass mit dem Start des Umzuges und erhielten damit einen weiteren Einblick in eine lebendige Wiler Tradition.
Landwirtschaft, Kultur und Wiler Geschichte
Am Samstag führte das Programm die Delegation zunächst nach Buhwil. Auf dem Bauernhof der Familie Gemperle erhielten die Gäste Einblicke in die Landwirtschaft und die Biogasproduktion. Nach einem Austausch auf dem Hof ging es weiter nach Dreibrunnen. Dort standen die Geschichte und die Kultur des Ortes sowie ein Orgelkonzert von Marie-Louise Eberhard im Mittelpunkt. Bei einer Führung durch den Hof zu Wil konnten die Gäste am Abend einen weiteren wichtigen Ort der Wiler Geschichte und Gegenwart kennenlernen. Ein gemeinsames Abendessen mit Unterhaltung bildete den Abschluss des offiziellen Programms, ehe die Delegation am Sonntagmorgen wieder die Car-Heimreise nach Dobrzen Wielki antrat.
Begegnungen, die bleiben
Neben den verschiedenen Besichtigungen und fachlichen Einblicken prägten vor allem die persönlichen Begegnungen den Besuch. Die fünf Mitglieder des Wiler Stadtrats sowie Vertreterinnen und Vertreter des Stadtparlaments nahmen an verschiedenen Programmpunkten teil. Besonders wertvoll war zudem die Unterbringung der Gäste bei privaten Gastgeberinnen und Gastgebern: «Eine solche Städtepartnerschaft besteht nicht nur aus offiziellen Terminen. Sie lebt von den Gesprächen am Tisch, von gemeinsamen Erlebnissen und davon, dass Menschen einander kennenlernen – auch über gewisse Sprachbarrieren hinweg», sagt Stadtpräsident Andreas Breitenmoser. «Gerade diese Begegnungen machen die gegenseitigen Besuche besonders wertvoll.»
Der eigene Alltag mit neuen Augen
Die Delegation aus Dobrzen Wielki nahm zahlreiche Eindrücke und neue Perspektiven mit auf die Heimreise. Der Austausch war dabei keine Einbahnstrasse, auch für die Wiler Gastgeberinnen und Gastgeber bot der Besuch die Gelegenheit, Bekanntes neu zu betrachten. «Vieles, was uns im Alltag hier in Wil selbstverständlich erscheint, wird wieder bewusster wahrgenommen, wenn man es Gästen zeigt, erklärt und mit ihnen diskutiert», zieht Daniel Schönenberger, Koordinator der Städtepartnerschaft Wil-Dobrzen Wielki, ein positives Fazit. Er hatte den Besuch mit seinen verschiedenen Facetten geplant und vorbereitet.