13. Oktober 2026
Der Stadtrat verabschiedete das Budget 2027 am 22. September 2026 mit einem Steuerfuss von 121 Prozent. Als Gesamtergebnis hätte ein Defizit von 4.2 Millionen Franken resultiert.
Am 27. September 2026 entschieden die Wiler Stimmberechtigten an der Urne, den Steuerfuss für 2026 auf 115 Prozent festzusetzen. Der Stadtrat hat in seinen Erwägungen zum Budget 2027 festgehalten, dass er in diesem Fall einen entsprechenden Budgetnachtrag vorlegen wird. Darin beantragt er nun einen Steuerfuss von 115 Prozent. Gegenüber dem ursprünglichen Budget 2027 führt dies zu Steuer-Mindereinnahmen von 3.8 Millionen Franken. Davon sollen 2.2 Millionen Franken mit zusätzlichen Sparmassnahmen aufgefangen werden; womit eine Schlechterstellung von 1.6 Millionen Franken zum ursprünglich verabschiedeten Budget verbleibt. Als Gesamtergebnis weist das Budget 2027 mit den Nachträgen ein Defizit von 5.8 Millionen Franken aus. Angesichts von budgetierten Buchgewinnen von 4.1 Millionen Franken ortet der Stadtrat ein deutliches finanzielles Ungleichgewicht.
Rückläufige Steuererträge und steigende Transferaufwände
Die Entwicklung der Gewinn- und Kapitalsteuern verschärft die finanzielle Situation der Stadt: Diese Einnahmen müssen gegenüber dem Vorjahr um 1.4 Millionen Franken tiefer budgetiert werden. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Nachzahlungen natürlicher Personen: Hier wird mit 1.5 Millionen Franken weniger gerechnet. Die Mindereinnahmen entsprechen zusammen vier Steuerfussprozenten.
Gleichzeitig belasten wiederkehrende, teilweise nicht direkt beeinflussbare Ausgaben den Haushalt. Dazu gehören höhere Schulgelder für Sonderschulen, anhaltend hohe Fremdbetreuungskosten für Kinder und Jugendliche in Heimen, steigende Kosten für die Übernahme von Krankenkassengrundprämien sowie die Kostendynamik im Bereich der Spitex-Dienste, unter anderem aufgrund der Angehörigenpflege. Zusätzlich entstehen Mehrausgaben durch die vom Stadtparlament beschlossenen Leistungen im Bereich Sicherheit, Intervention und Prävention.
Betriebsdefizit bleibt hoch
Das anhaltend hohe Betriebsdefizit besorgt den Stadtrat. «Die finanzielle Herausforderung der Stadt ist struktureller Natur», hält Stadtpräsident Andreas Breitenmoser fest. «Dass das budgetierte Gesamtergebnis 2027 nicht noch schlechter ausfällt, ist insbesondere auf Buchgewinne und höhere Finanzerträge zurückzuführen. Diese Einmaleffekte respektive buchhalterischen Erträge vermögen das strukturelle Defizit jedoch nicht zu beseitigen und verschleiern vielmehr die strukturelle Schieflage.»
Mit den zusätzlichen Sparmassnahmen von 2.2 Millionen Franken schöpft der Stadtrat das kurzfristig vorhandene Sparpotenzial aus. «Für eine anhaltende Verbesserung der finanziellen Situation braucht es aber weitergehende strukturelle Massnahmen», hält Stadtpräsident Breitenmoser fest. Nach dem stadträtlichen Budgetnachtrag ist das Stadtparlament gefordert: «Der Stadtrat kann Einsparungen vorschlagen, aber nicht selbst beschliessen», betont Breitenmoser. «Es liegt nun am Stadtparlament, die vorgeschlagenen Massnahmen zu beraten und die entsprechenden Mehrheiten dafür zu finden.»
Investitionsbedarf führt zu weiterer Verschuldung
Auch die Investitionen stellen die Stadt vor grosse finanzielle Herausforderungen. Die Nettoinvestitionen betragen 21.8 Millionen Franken. Im Vorjahr waren 27.4 Millionen Franken budgetiert. Unter Annahme einer Realisierungsquote von 80 Prozent und einer Selbstfinanzierung von 9 Millionen Franken ergibt sich ein Selbstfinanzierungsgrad von 51 Prozent. Damit kann die Stadt wesentliche Teile ihrer Investitionen nicht aus eigenen Mitteln finanzieren: Der Finanzierungsfehlbetrag beträgt 12.6 Millionen Franken. Die Verschuldung wird entsprechend weiter steigen. Die finanzielle Situation wird damit nicht nur durch das strukturelle Betriebsdefizit, sondern auch durch den Investitionsbedarf verschärft.
Haushaltssanierung bis 2030
Das Stadtparlament hat am 2. Juli 2026 das Postulat der Geschäftsprüfungskommission zur Beseitigung des strukturellen Defizits erheblich erklärt. Der Stadtrat unterstützt das darin formulierte Ziel eines ausgeglichenen Haushalts bis 2030 und arbeitet mit Hochdruck an der entsprechenden Vorlage. Die Verabschiedung zuhanden des Stadtparlaments ist für April 2027 vorgesehen. Aufgrund der finanziellen Ausgangslage wird das Sanierungspaket umfassende und einschneidende strukturelle Massnahmen enthalten. Es werden Leistungen, Strukturen und Standards überprüft und auf mögliche Effizienzpotenziale durchleuchtet. Die vorgeschlagenen Massnahmen können jedoch erst nach der parlamentarischen Beratung und Beschlussfassung in den Budgetprozess einfliessen. Entsprechend werden sie frühestens ab dem Budget 2028 wirksam.
Gemeinsame Verantwortung für einen nachhaltigen Haushalt
Mit dem Budgetnachtrag reagiert der Stadtrat kurzfristig auf den Volksentscheid zum Steuerfuss 2026. Gleichzeitig bleibt die nachhaltige Sanierung des Haushalts die zentrale finanzpolitische Aufgabe. «Aus Sicht des Stadtrats braucht es dafür sowohl weitere gezielte Sparmassnahmen als auch eine Stärkung der Einnahmenseite», sagt Stadtpräsident Andreas Breitenmoser. «Der Steuerfuss wurde in den vergangenen Jahren schrittweise von 129 auf aktuell 115 Prozent gesenkt. Vor diesem Hintergrund muss auch die Entwicklung der Einnahmen Teil der weiteren Diskussion über die Haushaltssanierung sein. Entscheidend wird sein, Ausgaben und Einnahmen wieder ins Gleichgewicht zu bringen und die entsprechenden Mehrheiten zu finden. Nur so lässt sich die finanzielle Handlungsfähigkeit der Stadt erhalten. Es müssen nun alle Seiten Verantwortung übernehmen.»
Budget 2027
Kommentar zum Budget 2027
Budget 2027 der TBW bleibt trotz anspruchsvollem Umfeld positiv
Die Technischen Betriebe Wil (TBW) rechnen für das Jahr 2027 erneut mit einem positiven Ergebnis. Bei einem Aufwand von rund 109.5 Millionen Franken wird ein Ertragsüberschuss von 2.2 Millionen Franken erwartet. Damit liegt das prognostizierte Ergebnis rund 0.8 Millionen Franken unter dem Vorjahresbudget.
Trotz des tieferen Ergebnisses leisten die TBW weiterhin einen bedeutenden Beitrag an den städtischen Haushalt. Die ordentlichen Abgaben an die Stadt Wil belaufen sich auf rund 7.0 Millionen Franken. Zusammen mit dem budgetierten Gewinn ergibt sich eine Gesamtabgabe von rund 10.1 Millionen Franken. Gegenüber dem Vorjahresbudget entspricht dies einer Zunahme von rund 0.3 Millionen Franken.
Die Entwicklung fällt in den einzelnen Geschäftsbereichen unterschiedlich aus. Besonders anspruchsvoll bleibt die Situation im Telekommunikationsbereich. Für 2027 wird dort ein Verlust von rund 0.9 Millionen Franken erwartet. Dieser wird durch die vorhandenen Reserven des Kommunikationsbereichs gedeckt.
Auch die Energiebranche bleibt von einem anspruchsvollen wirtschaftlichen und politischen Umfeld geprägt. Regulatorische Vorgaben, der Mantelerlass sowie die Transformation hin zu einer stärker erneuerbaren Energieversorgung stellen weiterhin hohe Anforderungen. Gleichzeitig zeichnet sich für 2027 eine gewisse Entspannung ab. Tiefere Marktpreise für Energie und Drittleistungen ermöglichen leicht sinkende Strompreise. Im dynamischen Telekommunikationsmarkt bleiben der Wettbewerbs- und Margendruck hingegen hoch.
Das Budget 2027 wurde zu einem Zeitpunkt erstellt, als noch kein Entscheid des Parlaments über die Verselbstständigung der Thurcom vorlag. Die finanziellen Auswirkungen einer möglichen Verselbstständigung sind deshalb im vorliegenden Budget noch nicht berücksichtigt.
Für das Jahr 2027 planen die TBW Investitionen von rund 25.6 Millionen Franken. Der Schwerpunkt liegt weiterhin auf der Erneuerung und Weiterentwicklung der Netze und Anlagen. Rund 14.8 Millionen Franken entfallen auf den Ausbau der Fernwärme. Weitere Investitionen betreffen insbesondere die Strom-, Kommunikations- und Wasserversorgungsinfrastruktur.